Ein Fonds, der dem Land zur Ehre gereicht

Der Zukunftsfonds der Republik kann eine stolze Zwischenbilanz vorweisen.

Von der Vergangenheit (links) in die Zukunft. Und dennoch: Der österreichische Zukunftsfonds, der nach zehn Jahren eine erste Zwischenbilanz zieht, hat sehr viel mit der Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert zu tun. Denn er ist – flapsig formuliert – ein Überbleibsel jenes „Versöhnungsfonds“, den die Regierung Schüssel/Riess-Passer im Jahr 2000 begründet hatte. Große heimische Firmen spendeten damals namhafte Summen, damit konnte das Unrecht an Opfern der Nationalsozialisten erstmals auch finanziell anerkannt werden. 2005 war dieses Ziel so gut wie erreicht.
Aber es waren noch etwa 20 Millionen Euro vorhanden. Diese sollte nun der Zukunftsfonds bestmöglich verwalten. Als Präsident des Fonds fungiert der frühere Restitutionsbeauftragte Kurt Scholz. An seiner Seite organisiert Generalsekretär Herwig Hösele die Projektvergaben.
Der Start war politisch heftig umstritten. Die Vehemenz, mit der die damaligen Debatten geführt wurden, ist aus heutiger Sicht nur mehr schwer nachvollziehbar, vor allem wenn man bedenkt, dass der Zukunftsfonds lediglich knapp 20 Prozent der aus dem Versöhnungsfonds verbliebenen Restmittel erhielt sowie die allgemeine Aufgabe der Förderung von Projekten und wissenschaftlichen Arbeiten grundsätzlich von allen Beteiligten begrüßt worden war.

Mit der Geschichte ins Reine kommen

Am 2. Jänner 2006 nahm der Fonds endlich seine Tätigkeit auf. Und er mauserte sich zu einer Einrichtung, die die komplexe Erinnerung an die Opfer und Täter des Nationalsozialismus prägt. Der Zukunftsfonds versinnbildlicht Österreichs Bemühungen der letzten Jahrzehnte, mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges ins Reine zu kommen und das Bild von Österreich als „Watschenmann der europäischen Erinnerung“ Lügen zu strafen. Das Motto des Fonds könnte aber auch lauten: Nur jener, der mit seiner Vergangenheit im Reinen ist, hat die Hände frei für die Zukunft.
Schon bald nach dem Start stellte sich heraus, dass nur wenige der eingereichten Projekte sich mit dem Totalitarismus beschäftigten, die große Mehrzahl befasste sich mit der Geschichte und den Nachwirkungen des Nationalsozialismus, mit der österreichischen Zeitgeschichte und mit unterschiedlichen Aspekten der Judenvernichtung. Auch Projekte mit einer pädagogischen oder künstlerischen Ausrichtung waren darunter.

Die Geldmittel gehen zur Neige

Es gibt in Österreich keine vergleichbare Institution, die eine derartige Vielfalt an Projekten – von Forschung über pädagogische Aktionen, Publikationen, Veranstaltungen bis hin zu Ausstellungen, Filmen oder Gedenkprojekten – unbürokratisch fördert.
Aber wie lange noch? Das muss der Finanzminister beantworten. Denn im Unterschied zum deutschen Zukunftsfonds, der 2007 aus der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ hervorging, ist der österreichische Fonds nicht dauerhaft konzipiert. Sollte also keine Gesetzesnovelle kommen, dann endet die Tätigkeit nach dem Aufbrauchen der vorhandenen Geldmittel. Zwei Millionen Euro werden jährlich vergeben, das reicht noch bis 2017/2018. (hws)

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