Widerstand: Exilösterreicher in amerikanischer Uniform

Im Zweiten Weltkrieg kämpften 6000 bis 7000 Österreicher in der US-Army gegen Hitler. Auch das Schicksal der legendenumwobenen Österreichischen Legion Ottos von Habsburg wird beschrieben.

(c) Böhlau Verlag

Der Kärntner Oliver von Schneditz ist nur ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel für etwa 6000 bis 7000 Österreicher, die sich im Zweiten Weltkrieg nicht nur für den Widerstand entschieden, sondern offiziell in der US-Army dienten. Schneditz, aus alter k. u. k. Offiziersfamilie stammend, ein Grafiker, der schon in jungen Jahren in scharfem Gegensatz zu seinem aristokratischen Vater stand, wurde in Nordafrika zu Oliver W. Rockhill und schickte Propagandasendungen ins NS-besetzte Europa. Er kämpfte 1945 zunächst in Jugoslawien, dann in Kärnten gegen die Nazis.

Florian Traussnigs Untersuchung ist ein wertvoller Beitrag zur Erhellung des österreichischen Widerstands in amerikanischen Uniformen. Er verschweigt auch nicht, dass die legendäre Österreichische Legion des Kaisersohnes Otto von Habsburg-Lothringen nur eine Randerscheinung war. Maximal 650 Soldaten brachte der von den Monarchisten als Thronprätendent betrachtete Erzherzog im amerikanischen Exil zusammen. Das war den Animositäten geschuldet, denen die Legitimisten und die geflüchteten Sozialdemokraten/Kommunisten mit einer Inbrunst oblagen, die für uns Heutige skurril anmuten mag.

Die aus Österreich geflüchteten Linken waren stramme Marxisten. Joseph Buttinger ist nur ein Beispiel dafür. Bevor sie neuerlich einem Habsburger dienten, torpedierten sie lieber die Legion. Die wurde von Roosevelt am 27. Mai 1943 in Camp Atterbury, Indiana, offiziell aufgelöst. Trotzdem gibt die Geschichte dem Kaisersohn und verhinderten Anführer nachträglich recht. Immerhin war er einer von sehr wenigen Widerständlern, die ihre Heimat mit der Waffe vom Nationalsozialismus zu befreien gesonnen waren. Dass ihm die Zweite Republik dies zu Lebzeiten nie gedankt hat, bleibt eine Schande, auch wenn sie von den beiden Großparteien bis heute totgeschwiegen wird. Erst an seiner Bahre versammelte sich das „offizielle Österreich“.

Viele der linken Emigranten gingen daher lieber in die reguläre US-Armee (Buttinger nicht). Aber auch die Geheimdienste, wie das subversiv agierende Office of Strategic Services, sahen gern österreichische Exilanten in ihren Reihen. Wehrmachtsdeserteure nahmen an riskanten Geheimdiensteinsätzen teil. Der Widerstandskampf im Exil wurde unter dem Dach der amerikanischen „Anlehnungsmacht“ und oft mit hohem persönlichem Risiko geführt.

 

Acht Millionen Mann . . .

Nach dem japanischen Überfall in Pearl Harbour entwickelten die völlig unvorbereiteten und abgerüsteten USA in kürzester Zeit eine erstaunliche Militärmaschinerie: Sie stampften eine acht Millionen Mann umfassende Streitmacht aus dem Boden, zuvor waren es nur zwei Millionen. Und hier erwartete man österreichische Exilanten mit offenen Armen. Nicht alle machten ja bis dahin im Exil tolle Karrieren. Im Gegenteil: Viele kamen so erstmals wieder zu Brot und gesicherter Unterkunft samt Sold.

Und sie waren wegen ihrer Sprachkenntnisse gesuchte Verhöroffiziere, als die alliierten Truppen dann gegen Kriegsende die Grenzen des Deutschen Reichs überschritten. Hier waren auch viele Frauen dabei, was erstmals in Details beschrieben wird. (hws)

Tipp

Florian Traussnig
Militärischer Widerstand von außen
Böhlau Verlag, 360 Seiten, 39,99 €

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2016)

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