Heute vor 100 Jahren: 17 Milliarden Papiergeld im Umlauf

Die Regierung muss die weitere Zunahme der Geldnoten verhindern, appelliert die „Presse“.

Neue Freie Presse am 22. November 1917

Die Oesterreichisch-ungarische Bank hat Noten im Betrage von siebzehn Milliarden ausgegeben. Die ernste Ziffer drängt zur Frage, ob wir solche Verschlechterungen des Geldes, das Anschwellen der Papiermassen um je eine Milliarden in den letzten Monaten als unabänderliche Kriegsnotwendigkeit hinnehmen müssen, ob keine anderen Mittel zur Deckung des Bedarfes verfügbar seien und ob ein Zwang, dem niemand entfliehen kann, der Finanzverwaltung nur den Weg zur Notenpresse offen läßt. Der Krieg kostet Geld und solche Ausgaben müssen gedeckt werden. Aber dieses eherne Gesetz, dem alle Regierungen unterworfen sind, kann weniger empfindlich werden, wenn eine sorgfältig ausgebildete Technik, eine voraussichtige, strenge und rechtzeitig handelnde Finanzpolitik es mildert. Wie kann die Ausdehnung des Papierumlaufes verhütet werden? Durch Anleihen, die das flüssige Kapital dem Staate zuführen, durch Steuern, welche die Einnahmen vermehren, und durch unerbittliche Sparsamkeit in deren Verwendung. Oesterreich hat sich bisher rund dreiundzwanzig Milliarden durch Kriegsanleihen verschafft und für seine auswärtigen Zahlungen durch Markdarlehen im Betrage von rund zweieinhalb Milliarden gesorgt. Aber große Mengen beweglichen Kapitals, das Anlagen suchte, sind zu den öffentlichen Kassen nicht hinübergeleitet worden. Die Vorratswirtschaft ist durch ihre Natur eine Verflüssigung früher gebundener Vermögen. Viele Milliarden sind in Oesterreich aus Waren zu Kapital in der Geldform geworden und die Wirkung auf den gesamten Verkehr ist nur zu stark fühlbar geworden. Ein Werben um Häuser und Güter hat begonnen und so vielfach auch die Ursachen dieser Erfahrung sein mögen, so lebhaft dabei auch der Wunsch mitspricht, sich vor den Schwankungen des Geldwertes zu schützen, und wie groß auch die Anziehung der Landwirtschaft in Zeiten des Nahrungsmangels ist, freies Kapital, das der Staat durch seine Technik für sich hätte sichern können, ist in Grund und Boden angelegt worden. (…)

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