Heute vor ... im Dezember: Rätselhafte Bluttat im Gaswerk Simmering

Der dringende Verdacht der Täterschaft richtet sich nur gegen irgendeinen der 110 Arbeiter der Nachtschicht im Gaswerke.

Eine rätselhafte Bluttat im Gaswerk Simmering

Der dringende Verdacht der Täterschaft richtet sich nur gegen irgendeinen der 110 Arbeiter der Nachtschicht im Gaswerke.


Neue Freie Presse am 31. Dezember 1917

Gestern vormittag fanden Arbeiter im Gaswerke Simmering im “Ofenhause” einen jungen Burschen tot auf dem Boden liegen. Der Schädel war zertrümmert. Blut bedeckte den Erdboden. Der Ermordete wurde als der fünfzehnjährige Karl Chalupka erkannt. Chalupka, ein Wiener, war erst seit dem 4.d. im städtischen Stadtwerke in Arbeit gestanden. Er hatte Samstag seinen Wochenlohn erhalten und sollte die gestrige Nacht über in der Nachtschicht bleiben. Bei der Nachtschicht im Gaswerke sind im ganzen 110 Arbeiter, fast ausnahmslose Kriegsgefangene, beschäftigt. Den Tag über stehen im Gaswerke 500 Zivilarbeiter und 700 Kriegsgefangene in Verwendung. Chalupka hatte sich bereits für die Nachtruhe vorbereitet, als ihn sein Schicksal ereilte. Er hatte Anstalten getroffen, um in der dienstfreien Zeit im Ofenhause zu übernachten, und hatte sich aus Steinen ein Lager hergerichtet. Auf die Steine hatte er Säcke gelegt. Ob er noch im Wachen oder in schlafendem Zustande überfallen worden ist, konnte bisher nicht ermittelt werden. Soviel die gerichtsärztliche Untersuchung ergab, hat Chalupka mit einem stumpfen Werkzeuge mehrere wuchtige Hiebe über den Kopf erhalten; sie haben die Schädeldecke mehrfach zertrümmert und seinen sofortigen Tod herbeigeführt. Ob ihm etwas geraubt worden ist und wieviel die Summe betrug, die er bei sich hatte, werden erst die näheren Erhebungen ergeben.

Bezüglich des Täters fehlt jede Spur. Der dringende Verdacht der Täterschaft richtet sich nur gegen irgendeinen der 110 Arbeiter der Nachtschicht im Gaswerke. Dies um so mehr, als erst am 6.d. ebenfalls im Gaswerke Simmering der dort arbeitende italienische Kriegsgefangene Giuseppe Bando in ähnlicher Weise erschlagen worden ist. Damals wurde der italienische Kriegsgefangene Bartolomeo Chiavorella, mit dem Bando früher Streit gehabt hatte, der Tat verdächtigt und verhaftet. Er befindet sich noch im Militärgerichte in Untersuchung. Auch diesmal besteht der

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