Der allerletzte Monarch hieß – Bruno Kreisky

Der Hang des roten republikanischen Bundeskanzlers zum Adelsstand war unübersehbar. Auch wenn ihm das Goldene Vlies verwehrt geblieben wäre, als Baron hätte er wohl gute Figur gemacht.

BRUNO KREISKY BUESTE ENTHUELLT
BRUNO KREISKY BUESTE ENTHUELLT
(c) APA (HARALD SCHNEIDER)

Gäbe es noch die Monarchie, Bruno Kreisky wäre sicher in den Adelsstand erhoben worden. Der Orden vom Goldenen Vlies freilich wäre dem Agnostiker verwehrt geblieben. Als er im Jahr 1970 eine SPÖ-Minderheitsregierung wagte, scherzte er: „Das erinnert mich an die Habsburger: Da hat man auch g'sagt, na, des wird net lang dauern – und schon nach 640 Jahren war's vorbei.“

Als er in einem „Club 2“ auf Ottos Sohn Karl traf, warteten alle gespannt, wie Kreisky den jungen Mann anreden werde. Erzherzog? Kaiserliche Hoheit? Herr Habsburg? Nichts von alledem. Ottos Sohn hatte als Einjährig-Freiwilliger im Bundesheer gedient. Und so titulierte der Kanzler der Republik Österreich den Enkel des letzten Kaisers völlig korrekt als – „Herr Fähnrich“.

Apropos Habsburg. In der Präsidentschaftskanzlei saß als Pressesekretär des Bundespräsidenten Franz Jonas ein Diplomat namens Alexander Otto. Ein Anrufer, der in der Hofburg Auskunft in einer Presseangelegenheit suchte, wunderte sich, als dort der Hörer abgenommen wurde: „Hallo, hier Otto!“ Fassungslos stammelte der Anrufer: „Ist es schon wieder so weit?“

Nein. So weit kam es nie. Da war schon Kreisky selbst Kaiser von Österreich. Georg Markus hat die Geschichte überliefert. Sie darf hier nicht fehlen. 1978 wurde dem „Alten“ mitgeteilt, dass Österreichs Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in der Qualifikationsgruppe mit Holland, Schweden, Spanien und Brasilien spielen müsse. Nach längerem Sinnieren brummelte er: „Holland is' a Monarchie, Schweden is' a Monarchie, Spanien auch – was macht eigentlich Brasilien in unserer Gruppe?“

Schon als Minister, später als Kanzler, hatte er eine Vorliebe für adelige Mitarbeiter oder aus der Diplomatie. Am liebsten daher adelige Diplomaten. Bei einem Empfang traf er mit Baronin und Baron Kövess von Kövessháza zusammen, Sohn des letzten Oberkommandierenden der k. u. k. Armee. Das Ehepaar bat um eine Intervention für eine entfernte Verwandte. Kreisky: „Natürlich, Baronin, das wird sich schon machen lassen.“ – „Aber, aber, Herr Minister“, meldete sich der Gatte zur Wort, „in Österreich sei der Adel längst abgeschafft, dachte ich!“ – „Aber ich bitt' Sie, lieber Baron“, replizierte Kreisky, „wir sind doch unter uns.“ (hws)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2016)

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