Die Eroberer Amerikas und ihre Gier nach Gold

Ein Auszug aus dem neuen "Die Presse"-"Geschichte"-Magazin über eine Obsession, die große Teile der Menschheit seit der Antike gefangen hält.

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Zeit seines Lebens fand Christoph Kolumbus nur wenig Gold in der Neuen Welt, dennoch schrieb er voll Euphorie, die meisten Flüsse in den neu entdeckten Landstrichen führten Gold, große Goldminen warteten nur auf Eroberer.

Er war eben auch ein guter Propagandist seiner Unternehmungen, es ging darum, die Geldflüsse des spanischen Königspaars Ferdinand und Isabella für die Finanzierung von Expeditionen nicht versiegen zu lassen. Europa glaubte fest daran, dass durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen Goldvorkommen physikalisch bedingt in den heißen Zonen der Äquatorregionen, somit auch in den neu entdeckten Gebieten zu finden seien, berichteten doch auch die Überlieferungen der Antike vom Reichtum der Länder Afrikas südlich des Pharaonenreichs.

Goldgier war eine Triebkraft der Eroberung Amerikas, Gold

Auszug aus dem neuen
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Auszug aus dem neuen "Presse"-Geschichtemagazin –
war bei Kolumbus' erster Fahrt neben der Suche nach einer Route zu den Gewürzlanden Ostasiens bzw. Indiens schon ein Hauptmotiv. Diese vermutlich bedeutendste Seefahrt der Geschichte, die am 12. Oktober 1492 ihren Höhepunkt fand, lehrte die Europäer, dass der Ozean schiffbar war, dass es in der Ferne viel Land zu besiedeln und unzählig viele Menschen gab, die man beherrschen konnte, und dass dort reiche Goldlager existierten. Das war ein Köder, dem man nur schwer widerstehen konnte, die wagemutigsten Männer wurden vom Gold und auch von dem tropischen Paradies mit seinen nackten Bewohnern angelockt. Viele, von unhaltbaren Versprechungen betört, kostete ihre Abenteuerlust das Leben.

„Oro y gloria“. Gold, Silber, Perlen, Gewürze, Reichtum hatten für alle, die eine Waffe in die Hand nehmen konnten, gewaltige Antriebskraft, für die sie ihre bisherige Existenz aufgaben und alles riskierten. Es genügte ein Gerücht über irgendwelche Gebiete, von denen niemand wusste, wo sie lagen, doch man war sich sicher, dass es sich um Goldland handelte. Und so fehlte es nicht an Freiwilligen. Dabei hätte nach kurzer Zeit bekannt werden müssen, dass die Eroberungen mehr Fehlschläge als Erfolge mit sich brachten. Schon in der mittelalterlichen Gesellschaft Spaniens hatten Krieg, Beute, Gold und Silber als Mittel, um zu Macht und Ehre zu gelangen, oberste Priorität. So machte man sich in die Neue Welt auf, um Ansehen zu gewinnen und vom König den gerechten Preis zu erhalten: „Oro y gloria“, Gold und Ruhm.

Die Ureinwohner Amerikas merkten bald, dass es sich bei den Ankömmlingen nicht, wie zunächst angenommen, um Götter handelte. Der Dominikaner Bartolomé de Las Casas berichtete: „Sie nahmen sich vier bis fünf Indianerfrauen, manche mit Gewalt, und wenn die Indianer ihnen nicht genügend Gold lieferten, raubten sie, was sie finden konnten.“

So lief die Goldsuche mit Gefechten, Toten und Bestrafungen der Indianer ab. Die große Menge Gold, die sie über Jahrhunderte angesammelt hatten, wurde ihnen in wenigen Jahren während der Eroberungszüge der Konquistadoren fast vollständig geraubt. Im 16. Jahrhundert starben in der Neuen Welt mehrere Millionen Menschen, durch Genozide, Gewalt, Krankheiten, Epidemien. Die prächtigen Kathedralen, die herrliche Kunst, der hohe Lebensstandard im Europa des 16. Jahrhunderts hatten ihren Preis. Bezahlt wurde er von den Einwohnern der Neuen Welt, die wegen ihrer Naivität von den Europäern verachtet und als „Feiglinge“ niedergestreckt wurden.

Mit Hernán Cortés, dem Eroberer Mexikos, begann 1519 die Zeit der Eroberungen im Landesinneren, wo ein riesiges, unbekanntes Areal weit größere Schätze versprach. Von Kuba und Panama aus wurden nun in Feldzügen die mächtigsten vorkolumbischen Reiche, das Azteken- und Inkareich, von den Spaniern erobert. Cortés gelang es, die großen Goldschätze zu finden, die Kolumbus vergeblich gesucht hatte.

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Der Sohn der Sonne.
Montezuma, der Aztekenkönig, sandte Schätze an die Fremden, wollte sich den Frieden erkaufen. Wie für alle Ureinwohner Südamerikas besaß Gold für ihn vor allem rituellen Wert, war ein religiöses Symbol. Gold wurde verarbeitet, weil es glänzte wie die Leben spendende, als Gott verehrte Sonne. Die farbenprächtigen Federn von Vögeln waren als Zierde genauso viel wert wie Goldschmuck. Edelmetall stellte keinen Geldwert dar, sondern diente als Schmuck oder für den Tauschhandel.

Ganz anders die Spanier, wie uns ein aztekischer Bericht überliefert: „Sie lachten über das ganze Gesicht. Wie die Affen griffen sie nach dem Gold, lachten über den Anblick des Götterdrecks. Denn nach Gold dürsten sie sehr, verlangen danach, hungern danach, schnüffeln es auf wie Schweine.“

Wie geblendet waren sie von den Schätzen im Aztekenpalast, der „mannshohe Haufen von Gold und Juwelen“ machte sie fassungslos. Doch große Goldmengen versickerten während des Kriegs gegen Montezuma, die Beute war unbefriedigend und der Traum vom Reichtum zerstoben. Das Reich der Azteken war 1521 ausgelöscht, ihr Goldschmuck schmolz in den Schmelzöfen der Spanier dahin.

Der Sieg über die Azteken löste eine Welle militärischer Expeditionen der Spanier aus. Atahualpa, König des Inkareichs, trat 1532 den gerade einmal 180 Spaniern, die unter ihrem Führer Francisco Pizarro in die peruanische Residenz des „Sohnes der Sonne“ eingedrungen waren, mit Verachtung entgegen. Der Inkakönig besaß gottähnliche Macht über Tausende, doch diese flohen 1532 panisch, als sie den Knall zweier spanischer Kanonen hörten.
„Von Golddurst getrieben“ waren die Spanier, so berichtet uns Alexander von Humboldt, der die Reste von Atahualpas Palast 1799 besuchte und in seiner „Südamerikanischen Reise“ von dem Frevel berichtete, der im August 1533 geschehen war. Die Inka waren aufgefordert worden, ihren gefangenen König mit Gold auszulösen: Ein ganzes Zimmer sollte mit Gold angefüllt werden, so hoch, wie ein Mann mit der Hand reichen konnte. Tag für Tag schleppten die Untertanen alles Gold des Reichs heran, um den gefangenen König zu befreien. Doch ehe noch die Bedingung erfüllt war, wurde Atahualpa der Prozess gemacht und in Cajamarca öffentlich mit der Garrotte erdrosselt.

Die Spanier eroberten angeblich 23.000 Kilogramm Gold und noch viel mehr Silber in Peru. „Es gibt in der Geschichte kein zweites Beispiel einer solchen Beute und überdies in der umsetzbarsten Form, gleichsam in barem Gelde, die einer so kleinen Schar von Abenteurern, wie es die Eroberer von Peru waren, zu Teil geworden ist“, scheibt William Prescott in seiner „Geschichte der Eroberung Perus“. 1551 hieß es am Hof Karls V., dass Gold in solch großen Mengen nach Spanien geströmt sei, dass man diese Epoche mit Recht als „Edad de Oro“ bezeichnen könne: als Goldenes Zeitalter. ?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2016)

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