"Operation Sauerkraut": Mit Wienerliedern und Pornos gegen das NS-Regime

Das Buch "Geistiger Widerstand von außen" beleuchtet die psychologische Kriegsführung österreichischer Exilanten und Deserteure in US-Propagandainstitutionen.

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Hitlerjugend – (c) imago stock&people (imago stock&people)

300 bis 400 österreichische Exilanten und Deserteure kämpften im Zweiten Weltkrieg in US-Propagandainstitutionen mit Worten, Klängen und Bildern gegen das NS-Regime. Aktionen wie die "Operation Sauerkraut" hatten dabei aber mehr moralische als militärische Bedeutung. Im Buch "Geistiger Widerstand von außen" dokumentiert Historiker Florian Traussnig diesen teils abenteuerlichen Schattenkrieg.

Im Krieg gegen die Nationalsozialisten setzten die USA auch auf die Unterstützung durch Journalisten, Diplomaten, Autoren, Juristen, Schauspieler und Sänger, die mit der Sprache, Denkweise und Kultur des "Feindes" vertraut waren. Sie schufen Propaganda mit speziellen Inhalten für ein österreichisches Publikum, ihr Wirken kann laut Traussnig "durchaus zu den Formen des 'leisen' Widerstands gerechnet werden". Als Beispiele nennt Traussnig etwa die als "verführerische Radiostimme" eingesetzte Sängerin Vilma Kuerer oder der Kriegsgefangeneninterviewer und Multiagent Oliver Rockhill-Schneditz.

"Eine der spektakulärsten Episoden in der Geschichte der psychologischen Kriegsführung" war aus Traussnigs Sicht die von Sommer 1944 bis zum Kriegsende durchgeführte "Operation Sauerkraut", die über das Amt für Strategische Dienste (Office of Stragegic Services, OSS) des US-Kriegsgeheimdienstes abgewickelt wurde. Dort wurden nach dem Konzept der "schwarzen Propaganda" gezielt Desinformationstexte kreiert, die als Produkte der Deutschen bzw. Nationalsozialisten ausgegeben wurden.

Pornografische Bildgeschichten über Nazis

Moralische Bedenken bei der Wahl der Mittel gab es beim OSS nicht: Mit unorthodoxen Methoden wie Übertreibungen, Lügen, Fälschungen und Einschüchterungen versuchten hier die österreichischen Propagandakämpfer, "ihren Gegner zu demoralisieren, zu brechen und kampfunfähig zu machen". Beispiele waren explizit pornografische Bildgeschichten, in denen Nazis als behaarte Affen bei Übergriffen auf "unschuldige Ehefrauen" dargestellt wurden, oder eigens gedichtete Wienerlieder mit hochgradig ideologischem, antinationalistischem Gedankengut.

Anders als die offen amerikanische und idealistische "weiße Propaganda" wurde das OSS-Propagandamaterial nicht einfach per Flugzeug abgeworfen, sondern durch "geheimdienstliche Penetrationstrupps" aus übergelaufenen Ex-Kriegsgefangenen, die als gewöhnliche Wehrmachtssoldaten getarnt waren, unter hohem persönlichen Risiko direkt "an den Mann gebracht". Spionage gehörte zu den weiteren Aufgaben der Propagandabriefträger.

Auch an der Verbreitung von "weißer Propaganda" durch das Office of War Information (OWI) waren österreichische Exilanten beteiligt, so etwa der in die USA geflohene Sozialdemokrat Julius Deutsch oder der dem Holocaust entronnene österreichische Jude Henry Koerner, der ästhetisch anspruchsvolle Propagandaplakate schuf.

Die Auswirkungen der spektakulären Subversionsunternehmen will Traussnig nicht gering schätzen. Auch wenn diese auf den Kriegsverlauf "keinen nennenswerten Einfluss" hatten, seien sie "in symbolischer, politischer und moralischer Hinsicht aber von hohem Wert" gewesen, nämlich dank einer über Monate und Jahre andauernden "erst auf den zweiten Blick erkennbaren und schleichenden Unterminierung feindlicher Moral und der Desorientierung des nationalsozialistischen Gegners". Die USA mit ihrem schnell wachsenden Militär-, Geheimdienst- und Propagandaapparat habe außerdem dem zerstrittenen österreichischen Exil ermöglicht, als eine "Art Arbeitsgemeinschaft gegen Hitler" ein Bild des "anderen Österreichs" zu zeichnen und geistigen Widerstand gegen den NS-Staat zu leisten.

(APA)

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