Heute vor ... im März: Der magere Osterbraten

Schinken und Lammsbraten, die traditionellen Ostergerichte, kennt man heuer nur vom Hörensagen.

Neue Freie Presse am 31. März 1918

Zu Ostern besteht traditionell nach den Fasttagen der Karwoche ein erhöhter Fleischbedarf. Heuer fallen die Feiertage in die Zeit großer Fleischknappheit, die durch den Mangel jeder Regelung des Verkehrs vervielfacht und äußerst drückend gestaltet wird. Schinken und Lammsbraten, die traditionellen Ostergerichte, kennt man heuer nur vom Hörensagen. Die Zufuhr an Lämmern betrug kaum 2 Prozent der Menge in Friedensjahren und Schinken sind im offenen Handel seit Monaten schon vollständig verschwunden.

Rindfleisch war in noch geringerem Maße angeboten als seit den Tagen des Inkrafttretens der neuen Fleischordnung, und so standen für die Massen der Bevölkerung in der Hauptsache nur jene Quantitäten zur Verfügung, die in der Großmarkthalle aus den Vorräten der Gemeinde abgegeben wurden: Etwa 40.000 Kilogramm Fleisch und 10.000 Kilogramm Speck. Die Zahl der Käufer, die sich schon am Freitag um 7 Uhr abends anzustellen begannen, wurde aber auf 50.000 geschätzt. Trotz der großen Anstrengungen - der Gemeinde ergibt ein einfaches Rechenexempel, wie schmal die Osterbraten in den Haushalten ausgefallen sind. Infolgedessen waren die Nebenmärkte für Fische, Geflügel und das ungemein knochen- und muskelreiche Schaffleisch trotz der enormen Preise, die gefordert wurden, stark besucht.

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