Fotos für den "Führer": AP arbeitete mit den Nazis zusammen

Deutsche und Amerikaner tauschten ihr Fotomaterial auch nach dem Kriegseintritt der USA rege aus. Mit dem Segen aus Washington, wie Zeithistoriker Domeier nachwies.

Adolf Hitler
Adolf Hitler
Adolf Hitler – (c) imago stock&people

Bilder aus den Kriegsgebieten gab es während des Zweiten Weltkriegs auf allen Seiten zuhauf. Was bisher jedoch nicht bekannt war: Deutsche und Amerikaner tauschten ihr Fotomaterial auch nach dem Kriegseintritt der USA rege aus - über die Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Mit dem Segen aus Washington, wie der deutsche Zeithistoriker Norman Domeier nun nachwies, der derzeit in Wien forscht.

Bereits vor 1941 war die weltgrößte Nachrichtenagentur (gegründet 1848 in New York) die einzige ausländische Agentur, die aus Nazi-Deutschland berichten durfte. Nach Kriegseintritt glaubte die Forschung bisher allerdings, dass sich die Kontakte zwischen den USA und ihrem Erzfeind auf das Notwendigste beschränkten. Dass dem nicht so war, entdeckte der deutsche Forscher, der im Rahmen eines Lise-Meitner-Stipendiums des Wissenschaftsfonds FWF derzeit am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien tätig ist, anhand eines Details. "In einem Buch aus den 1980er-Jahren über die Geschichte der Pressefotografie wurde ganz selbstverständlich auf die reibungslosen Kontakte zwischen Agentur und Nazi-Reich hingewiesen", berichtete der Historiker. Nur habe sich damals niemand dafür interessiert.

Angehörige der Waffen-SS im "Büro Laux" 

Die Vereinbarung sah folgendermaßen aus: AP erhielt über ehemalige Mitarbeiter, die sich in Deutschland zum "Büro Laux" zusammengeschlossen hatten und allesamt der Waffen-SS beigetreten waren, exklusiv Bildmaterial aus dem Dritten Reich. Im Gegenzug lieferte die amerikanische Agentur ebenso exklusiv Fotos der Alliierten an Berlin, konkret an ein Büro der SS und des Auswärtigen Amtes. Auf beiden Seiten mit dem Wissen höchster Stellen, auf beiden Seiten abgesichert, konnte Domeier anhand des Nachlasses eines früheren "Büro Laux"-Mitarbeiters nachweisen.

Zwischen 1942 und 1945 müssen es um die 35.000 bis 40.000 Fotos gewesen sein, die über Boten in Lissabon und Stockholm ausgetauscht wurden, schätzte der Historiker. Hitler ließ sich die interessantesten davon persönlich vorlegen, genutzt wurden die Bilder aber hauptsächlich für Propagandazwecke. "Es gibt eine Reihe amerikanischer Fotos, die von den Nazis bearbeitet oder in einen anderen Kontext gestellt wurden", weiß Domeier.

"Wussten, dass Bilder für Propaganda genutzt wurden"

Doch welchen Nutzen zogen die Amerikaner daraus? "Sie wussten, dass sie von den Deutschen Propagandabilder geliefert bekamen. Sie wussten auch, dass ihre Bilder zu Propagandazwecken genutzt wurden", stellte der Experte für Zeitgeschichte klar. Eine ähnlich Nutzung des Materials liegt für Domeier deshalb nahe. Zu gerne würde der Historiker auch wissen, ob auf der "Bilder-Route" tatsächlich nur Fotos transportiert wurden oder ob beide Seiten den Kanal auch anderweitig nutzten. Domeier hofft sehr darauf, dass AP "endlich" ihr Archiv öffnet. Auf seine Forschungsergebnisse hat die Agentur bisher allerdings eher wortkarg reagiert.

Beirren lässt sich Domeier von diesem Stillstand an einer Front aber nicht. Bereits im Frühjahr will er seinen zweiten Coup landen. Dabei geht es um die Anbahnung von Friedensgesprächen am Ende des Ersten Weltkriegs. Als "postillon d'amour" hatte diese ein amerikanischer Journalist einfädeln sollen. Mehr wollte Domeier dazu noch nicht verraten.

(APA)

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