Heute vor 110 Jahren: Wenn ein Bräutigam ein Attentat begeht

Ein junger Mann schoss seine Braut und deren Vater an.

Neue Freie Presse am 22. Februar 1909

Eine entsetzliche Bluttat hat heute nachts ein junger Mann in Favoriten verübt. Er schoß seine Braut und deren Vater an und verletzte beide schwer. Der Schauplatz der Tat war das Haus Laaerstraße Nr. 61.

Dort wohnt der 61jährige Platzmeister Kocarnik. Er hat eine 23jährige Tochter Marie, die mit dem 23jährigen Tischler Franz Müller, Laaerstraße Nr. 20 wohnhaft, verlobt ist. Der Vater und die Tochter haben mit dem Bräutigam gestern abends eine Faschingsonntagunterhaltung in einem benachbarten Gasthaus besucht und waren in bester Stimmung gegen Mitternacht heimgekehrt. Müller begleitete die Braut nach Hause. In der Wohnung angelangt, zog er plötzlich einen Revolver und schoß mehrmals auf die Braut und deren Vater. Drei Kugeln trafen den Platzmeister Kocarnik, zwei Kugeln die Braut. Im Revolver (war) noch eine Kugel, und auch diese wollte Müller noch abfeuern. Trotz seiner sehr schweren Verletzungen stürzte sich der Vater auf den Rasenden und, vom Blut triefend, kämpfte er mit ihm um den Besitz der Waffe. Nach langem und verzweifeltem Ringen überwältigte Kocarnik den Müller und drängte ihn zur Tür hinaus. Müller verließ das Haus und stellte sich selbst dem Polizeikommissariat Favoriten, das ihm in Haft behielt.

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