Spanische Grippe 1918: Das Jahr, als die ganze Welt im Fieber lag

Vor hundert Jahren – ein Ende des Weltkriegs zeichnete sich ab – raste eine tödliche Epidemie über den gesamten Globus. Die Spanische Grippe kostete so viele Menschenleben wie die Weltkriege zusammen. Heute assoziiert man sie vor allem mit Egon Schiele und Franz Kafka. Im kollektiven Gedächtnis ist sie aber wenig präsent.

 Die ersten Krankheitsfälle tauchten in den USA im März 1918 auf. Durch den Krieg kam die Seuche nach Europa.
 Die ersten Krankheitsfälle tauchten in den USA im März 1918 auf. Durch den Krieg kam die Seuche nach Europa.
Die ersten Krankheitsfälle tauchten in den USA im März 1918 auf. Durch den Krieg kam die Seuche nach Europa. – Science Photo Library/ picturedesk.com

Fragen Sie jemanden, was die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts war. Sie werden vermutlich die Antwort erhalten, der Zweite Weltkrieg, der Faschismus, der Stalinismus. Kaum wird man Ihnen antworten: die Spanische Grippe. Keine Monumente erinnern an sie, das kollektive Gedächtnis reagiert außerhalb der Wissenschaft nicht. Wenn sie rezipiert wird, dann als Fußnote des Ersten Weltkriegs. Es bedarf des 100. Gedenkjahres, um an dieses größte Sterben des Jahrhunderts zu erinnern. Die Epidemie raste über den Globus, sie infizierte jeden dritten Menschen auf der Erde und tötete 2,5 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung, man nimmt an: 50 bis 100 Millionen. Nur der Erste und der Zweite Weltkrieg zusammen erreichten mit 77 Millionen Toten annähernd diese Zahl. Seit dem Schwarzen Tod im Mittelalter brach nichts Ähnliches über die Menschheit herein.

Das ist drin:

  • 6 Minuten
  • 1087 Wörter
  • 1 Bild

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen