Gutenbergs genialer Quantensprung

Der Buchdruck kam nicht wie ein Blitz vom Himmel. Ganz im Gegenteil.

Dieses Genie, vielleicht der wichtigste Mann des Jahrtausends, ist uns als Person nahezu unbekannt. Wir wissen weder genau, wann Johannes Gutenberg in Mainz geboren wurde (zwischen 1393 und 1404), noch wissen wir, wie er aussah. Es gibt ganz wenige Lebensdaten, lediglich das Todesdatum 1468 ist sicher. Ebenso, dass er der einflussreichen Patrizierfamilie Gensfleisch entstammt. Man nimmt an, dass er in Erfurt studierte, denn seine Kenntnisse in Latein und Theologie gingen weit über das bloße Schulwissen hinaus. Aber wann und wie und wo, das bleibt im Dunkel der Geschichte. Und dennoch hat sich die Historikerin Maren Gottschalk der Mühe unterzogen, aus den wenigen erhaltenen Quellen den Menschen Gutenberg zu skizzieren. Mit viel Fantasie, dafür umso lesbarer. Sie nähert sich der sensationellen Erfindung dieses Mannes von der handwerklichen Seite. Gutenberg beherrschte bereits lang zuvor die Kunst der Metallbearbeitung, indem er Abzeichen aus Blech für fromme Pilger stanzte. Und ganz gut verdiente. Diese Fertigkeit ermöglichte es ihm, Stahlstempel für einzelne Buchstaben und dann in zwei weiteren Arbeitsschritten seitenverkehrte Bleilettern herzustellen. Setzkasten, Winkelhaken, Setzschiff, Farbballen, Druckerpresse – alles war ja neu zu erfinden. In jahrelanger Tüftelei brachte es der Mann zur Perfektion. Das erste gedruckte Buch, die Bibel, gilt heute noch vielen als schönstes Buch der Menschheit.

Die negativen Berichte rund um Gutenbergs Konkurrenten Johannes Fust und Peter Schöffer werden hier auf den Boden der Tatsachen heruntergebracht: keineswegs starb Gutenberg arm, einsam und verbittert. Sondern höchst geachtet als Mainzer Bürger, dem sein mühevolles Handwerkerleben wahrlich Unsterblichkeit verschafft hat.

Maren Gottschalk,
„Johannes Gutenberg: Mann des Jahrtausends“,
Böhlau 2018,
160 Seiten,
17 Euro

 

 

Von Grado bis Abbazia

Die Ferien sind zu Ende, der Jahrhundertsommer verlischt. Für die Abertausenden, die an der Adria Erholung fanden (hoffentlich), bleibt die Erinnerung an traumhafte Küsten und spektakuläre Badestrände. Große Teile davon gehörten einst zur Großmacht Österreich-Ungarn. Durch Generationen war ein „Urlaub am Meer“ gleichbedeutend mit einem Aufenthalt an einer der Küsten des Lieblingsgewässers der Österreicher. Die geniale Idee der Südbahn transportierte jene, die es sich leisten konnten, vom Wiener Südbahnhof über den Semmering bis Triest, später bis Abbazia. Gregor Riedl-Gatscha hat schon mit mehreren Werken seiner profunden Kenntnis und Liebe zur Habsburgermonarchie Ausdruck verliehen. Sein spezielles Interesse galt der k.u.k. Marine, deren Größe (und Kostspieligkeit) nicht zu unterschätzen war. Diesmal sind es zeitgenössische Landschafts- und Städteansichten, erstmals koloriert. Es ist Nostalgie pur, die uns in diesem großartigen Werk geboten wird. Und alle, die sich den Sommer an der Adria im Herzen bewahren wollen, können jetzt auf den Spuren des Doppeladlers zwischen Grado und dem heutigen Montenegro geistig unterwegs sein.

Gregor Gatscher-Riedl,
„Die k.u.k. Adria in Farbe. Bilder einer Reise ans Meer um 1900“,
Kral-Verlag Berndorf, 207 Seiten, Großformat, 29,90 €

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2018)

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