"Im Totaleinsatz": Schau zu tschechischen NS-Zwangsarbeitern in Wien

Deuxieme Seconde guerre mondiale 1939 1945 World War II WWII or WW2 Nuremberg Allemagne
Deuxieme Seconde guerre mondiale 1939 1945 World War II WWII or WW2 Nuremberg Allemagne(c) imago/Leemage (imago stock&people)
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Knapp eine halbe Million Tschechen mussten ihre Heimat verlassen, um im Deutschen Reich Zwangsarbeit zu verrichten. Ihr Schicksal wird jetzt in einer Ausstellung an der Universität Wien gezeigt.

Mehr als 450.000 Tschechen wurden im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich deportiert. Ihrem Schicksal ist eine Ausstellung gewidmet, die Mittwochabend in der Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte der Uni Wien eröffnet wird. Die schon in Deutschland gezeigte Schau wurde in Wien erweitert, um das Los der rund 80.000 in den damaligen "Ostmarken" eingesetzten Tschechen zu beleuchten.

Als "größter und grausamster Sklavenhalter seit den Pharaonen" wurde Fritz Sauckel, nationalsozialistischer Generalbevollmächtigter für Arbeitseinsatz im NS-Regime, im Rahmen der Nürnberger Prozesse bezeichnet. Tatsächlich bestimmte während des Nationalsozialismus die Zwangsarbeit das Leben von Millionen Menschen. So wurden etwa ab 1942 ganze Jahrgänge junger Menschen aus dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren zur Zwangsarbeit deportiert.

Veranschaulicht wird das Schicksal der tschechischen Zwangsarbeiter in der unter anderem vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Organisation "Ziva pamet'" ("Lebende Erinnerung") organisierten Schau durch mehr als 300 überwiegend persönliche Dokumente, Fotografien, Briefe, Tagebücher und weitere Archivmaterialien, die großteils aus privaten Sammlungen stammen. Für den tschechischen Geschäftsführer des Fonds, Tomas Jelinek, ist die Ausstellung "eine Hommage an die Opfer des Nationalsozialismus, gleichzeitig aber auch eine nach wie vor aktuelle Warnung an uns alle, wie schnell Andere zu Menschen zweiter Klasse werden können".

Die Präsentation in Wien wurde um eine Reihe von Dokumenten und Fotografien erweitert, die speziell die Zwangsarbeit im heutigen Österreich betreffen. Dabei wird nicht nur an den zwangsweisen Einsatz von Tschechen in Wien, Linz, Steyr, Enzesfeld und weiteren Zentren der Waffenindustrie erinnert. Auch zum Zwangseinsatz junger tschechischer Landwirte für den Bau des "Südostwalls" gegen die anrückende Rote Armee oder den in Arbeitserziehungslager auf dem Gebiet des heutigen Österreich inhaftierten Tschechen gibt es Ausstellungsobjekte.

Zur Ausstellung

"Im Totaleinsatz: Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich mit Erweiterung um Zwangsarbeit auf österreichischem Gebiet"; Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte der Universität Wien, Uni-Campus, Hof 1, Stiege 12, 9., Spitalgasse 2-4; 11. Oktober bis 15. März 2019, mehr online auf Bibliothek.univie.ac.at.

(APA)

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