Als Venedig seinen Bürger das Tragen von Masken untersagte

Am 12. Februar 1339 untersagte der Große Rat das Tragen von Masken in der Lagunenstadt - ganzjährig. "Schamlosigkeiten" konnte er damit aber nicht verhindern.

Am 12. Februar 1339 verbot der Große Rat der Seerepublik ganzjährig das Tragen von Masken.
Am 12. Februar 1339 verbot der Große Rat der Seerepublik ganzjährig das Tragen von Masken.
Am 12. Februar 1339 verbot der Große Rat der Seerepublik ganzjährig das Tragen von Masken. – (c) imago (Arnulf Hettrich, Fnoxx)

"Vom Karneval in Venedig ist überall die Rede. Die größte Zerstreuung bietet zu dieser Zeit hier die Maskierung, wie übrigens auch zu anderen Festen. Die Venezianer - von Natur aus festlich gestimmt - lieben es, sich in die Massen und Vergnügungen derartiger Anlässe zu stürzen und dabei ihre Identität hinter Vermummungen zu verbergen." Mit diesen Worten beschrieb der englische Schriftsteller Joseph Addison zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Karneval in der Lagunenstadt - der damals in Venedig durchaus umkämpft war.

Schon Jahrhunderte lang brodelte ein Streit zwischen Freunden und Feinden der Maske, der verschärft wurde, als Napoléon Bonaparte den Karneval 1797 gänzlich untersagte. Er fürchtete, so heißt es, jemand Maskiertes könnte ein Attentat auf ihn verüben. Das bunte Feiern wurde folglich in die privaten Haushalte verbannt, ins Geheime, ins Leise. Lauthals auf den Straßen gefeiert werden konnte erst wieder nach der Vereinigung Venedigs mit Italien am 18. Oktober 1866.

Doch die Zäsur von 1797 war nicht der erste Versuch, den Maskierten Einhalt zu gebieten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der venezianische Karneval im Jahr 1094, die älteste Erwähnung einer Maske in Venedig geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Damals herrschte über Monate hinweg Ausgelassenheit in den Straßen der Stadt. So wurde beginnend mit dem Festtag des heiligen Stephan am 26. Dezember bis zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch gefeiert, ebenso in den zwei Wochen vor und nach Pfingsten. 

Ein Verbot - über Jahre erneuert

Ein Treiben, das der Große Rat, die oberste Behörde des venezianischen Staates, missbilligte. 1339 untersagte der "Maggior Consiglio" das Tragen von Masken per Gesetz - nicht nur während der Karnevalszeit, sondern das gesamte Jahr über. Verbrecher und Betrüger hätten sich in der Stadt breit gemacht, lautete die Begründung - ihnen sollte Einhalt geboten werden, indem falschen Bärten, künstlichen Haaren und verdeckten Augen keine Toleranz mehr entgegengebracht wurde.

Doch die Venezianer ließen sich das Verhüllen ihres Gesichtes nicht verbieten. Sie trugen sie weiterhin - manchmal geheim, manchmal in der Öffentlichkeit - und argumentierten ihr Tun auch damit, dass die Maskenherstellung doch zu den wichtigsten Handwerkszweigen der Stadt zähle. Der Große Rat gab sich unnachgiebig, erneuerte sein Verbot beharrlich: in Form des Dekrets von 1461, in Form des Verbots des "Tragens künstlicher Haare und Bärte, der Masken und überhaupt jeder Form der Verkleidung" von 1502, 1504 und 1606.

"Schamlosigkeiten" in Nonnenklöstern

Produziert wurde damit aber nicht mehr als wehrloses Papier. So sind Aufzeichnungen erhalten, in denen die Stadtherren "Unanständigkeiten" und "Schamlosigkeiten" beanstanden, welche von Männern unter dem Schutz der Maske in Nonnenklöstern begangen worden seien.

Die Folge: ein über Jahrhunderte gärender Streit zwischen Maskengegnern und ihren Befürwortern - bis die (zweite) Geburtsstunde des venezianischen Karnevals nicht mehr aufzuhalten war. Im Oktober des 17. Jahrhunderts wurde er offiziell wieder zelebriert, um im 18. Jahrhundert zu einer beliebten Touristenattraktion zu avancieren, durch das rigorose Napoléonische Verbot von 1797 wieder in den Hintergrund zu geraten und Ende der 1970er-Jahre im Rahmen einer breit angelegten Werbekampagne des Amtes für Tourismus und Kultur der Stadt Venedig wieder zum Leben erweckt zu werden.

Letzteres Wiedererwachen hält übrigens bis heute an. So findet der diesjährige Karneval in Venedig von 16. Februar bis 5. März statt.

Venezianische Masken

Das Wort Maske geht auf den arabischen Begriff maschara zurück, der mit Scherz oder Spaßmacher übersetzt wird. Eine der bekanntesten, traditionellen Karnevalsmasken ist die Bauta, die aus weißer Seide besteht und das ganze Gesicht verbirgt; dazu getragen wird der sogenannte Dreispitz, eine Kopfbedeckung, die über einer Kapuze getragen wird.

Mit Stand 2012 verzeichnete Venedig mehr als 300 Maskengeschäfte.

(hell)

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