Schattenfüßler, Elternfresser und Kopflose: Die Geschichte der Monster

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Denkt man an mittelalterliche Monster, hat man vielleicht Drachen, Greife oder Trolle vor Augen. In Wahrheit verstand man zu dieser Zeit unter den auch als Wundervölker bezeichneten Wesen nur Menschen oder menschenähnliche Geschöpfe, die sich durch körperliche oder soziale Abweichungen abhoben. Das konnten etwa Ernährungsgewohnheiten sein, wie bei den Elternfressern:  Ein in Indien vermutetes Volk, das die Eltern vor dem natürlichen Tod mästet, schlachtet und bei einem Festmahl verzehrt.

Der Germanist Rudolf Simek hat sich in seinem nun in zweiter Auflage erschienenen Buch „Monster im Mittelalter“ auf Spurensuche begeben. Eine Auswahl der phantastischsten Fabelwesen. (kron)

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Schattenfüßler

In fast allen Enzyklopädien vom zwölften bis zum 14. Jahrhundert finden sich Verzeichnisse von Wundervölkern. „Das Volk der Skiopoden in Äthiopien soll nur einen Fuß und wunderbare Geschwindigkeit haben; die Griechen nannten sie Schattenfüßler, weil sie sich in der Sonnenhitze auf den Rücken auf den Boden legten und sich durch die Größe ihres Fußes beschatteten“, schreibt Bischof Isidor von Sevilla in seiner Enzyklopädie Etymologiae.

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Zyklopen

Zahlreiche Monster des Mittelalters stammen aus der griechischen Mythologie. Die Zyklopen sind dort die drei Söhne von Uranos und Gaia. Im Mittelalter sah man die einäugigen Riesen als menschenfressendes Volk in Indien.

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Apfelriecher

Auch die Apfelriecher oder Astomes verortete man in Indien – ein mundloses Volk, das sich durch den Geruch von Äpfeln ernährt. Ebenfalls Astomes genannt werden die Strohhalmtrinker, deren Münder so klein sind, dass sie sich nur mit Strohhalmen ernähren können.

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Blemmyae

Die Blemmyae zählen zu den Acephales, den Kopflosen. Sie haben Nase, Mund und Augen auf der Brust und gehören zu den verbreitetsten Wundervölkern des Mittelalters. Keimzelle für den Glauben an die Blemmyae könnte die Sichtung von nordafrikanischen Stämmen mit mannshohen Schildern, auf die Gesichter aufgemalt wurden, sein.  

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Maritimi

Am Meer lebenden Äthiopiern wurden vier Augen zugeschrieben – und dadurch ein unschlagbares Talent im Bogenschießen.

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Satyrn

In der griechischen Mythologie bilden die Satyrn die Anhänger von Dionysos, Gott des Weines und der Ekstase. Im Mittelalter wurden sie mit menschlichem Gesicht und dem Körper eines Ziegenbockes dargestellt.

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Kentauren

Ebenfalls zum Gefolge des Dionysos gehören die Kentauren. Die Mischwesen aus Mensch und Pferd (oder Esel) stehen für Trunksucht, männliche Sexualität und Unbeherrschtheit.  

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Meerritter

Mittelalterliche Seekarten sind gespickt mit den Abbildungen von „Meerwundern“ – darunter der Zitiron oder Meerritter, oben Krieger mit Helm und Schwert, unten Fisch. „Er ist von dreieckiger Form, an Stärke und Härte so brauchbar, daß er kaum von einem Wurfspieß durchdrungen werden kann“, heißt es im Speculum major des französischen Dominikaners Vinzenz von Beauvais.

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Sirenen

Die Mischwesen aus Frau und Fisch locken in der griechischen Mythologie Seefahrer mit betörendem Gesang in ihre tödliche Falle. In mittelalterlichen Kirchen sind Darstellungen von Sirenen mir entblößten Brüsten und langen Haaren allgegenwärtig – wohl als Warnung vor den Gefahren weiblicher Reize. In der mittelhochdeutschen Literatur treten „Meerfrauen“ und „Meerfeen“ dagegen positiver auf, als Erzieherinnen, Helferinnen und Heilerinnen.

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Wilde Menschen

Anders als bei den meisten Wundervölkern fehlen für die Wilden Menschen oder Agrestes antike Vorbilder. Sie sind nackt, am ganzen Körper behaart, streifen durch die Wälder Europas und ernähren sich von Wildtieren. Ein beliebtes Motiv: die Zähmung eines Wilden durch eine tugendreiche Frau.