Gab es den biblischen König Balak doch?

Der Moabiterkönig, der im vierten Buch Moses die Israeliten bekämpft, galt bisher als fiktiv. Forscher vermeinen seinen Namen nun aber auf einer berühmten moabitischen Stele gefunden zu haben.

Man kannte ihn bisher nur aus dem vierten Buch Moses: König Balak versucht dort, die in Moab im Ostjordanland lagernden Israeliten daran zu hindern, ins verheißene Land einzuwandern. Er holt dazu den Propheten Bileam, der soll die Israeliten für viel Geld verfluchen. Der Prophet betont, dass er nur Gottes Wort wiedergeben könne, das Orakel ergibt statt eines Fluchs einen Segen.

Ist Balak eine Legendenfigur? Letzteres vermutete man bisher, war doch die Bibel die einzige bekannte schriftliche Quelle, in der ein Moabiterkönig dieses Namens vorkam. Nun aber vermeinen Forscher rund um den israelischen Archäologen Israel Finkelstein, den Namen Balak auf einer berühmten moabitischen Inschrift entziffert haben: jener auf der Mescha-Stele im Louvre.

 

Ein Beleg weniger für den realen David

Neue hochauflösende Fotos brachten die Neudeutung einer Stelle, die jahrzehntelang als „Haus David“ gelesen worden war. Die Fotos würden das widerlegen, schreiben die Forscher in der archäologischen Zeitschrift „Tel Aviv“ (46/2019). Stattdessen schlagen sie „vorsichtig“ vor, „dass der Name in Zeile 31 als Balak gelesen wird“.

Die nach dem Moabiterkönig Mescha benannte Stele aus dem 9. Jh. v. Chr. enthält in 34 Zeilen die älteste erhaltene Inschrift in einer dem Hebräischen nah verwandten Sprache und Schrift; zugleich ist die Inschrift einer der ältesten nicht biblischen Belege für die Existenz Israels. Entdeckt wurde der Basaltstein im 19. Jahrhundert von einem Missionar, Frankreich und das Deutsche Reich stritten sich darum, bis 1869 Beduinen ihn zerbrachen (wohl weil sie das Interesse der Forscher als Hinweis für einen Schatz darin deuteten). Einiges von der Inschrift ging dadurch verloren, zum Glück hatte ein französischer Archäologe sie davor kopieren lassen.

Was haben die Forscher nun genau gesehen, auf den Fotos von dieser Kopie und von der restaurierten Stele? Die fragliche Passage findet sich am Ende der Inschrift (Zeile 31 von 34), ihr Kontext lässt den Forschern zufolge einen Namen erwarten. Eindeutig ist für sie nun erstens, dass die Lesart „Haus David“ falsch sei; zweitens, dass der an dieser Stelle zu erwartende Name drei Konsonanten enthalte; drittens, dass der erste davon der hebräische Buchstabe beth sei; und viertens, dass danach als Satzende zwei weitere, nicht mehr erhaltene Buchstaben folgten.

Ab nun freilich beginnen bei den Forschern die Konjunktive zu florieren. Dreikonsonantige Namen, die mit „B“ beginnen, gäbe es ja viele, von Bedad bis Bedan, Becher bis Barak – das geben die Forscher auch unumwunden zu. Und dennoch bezeichnen sie „Balak“ als „wahrscheinlichste“ Deutung.

 

Der Ort Horonaim als Indiz

Indizien dafür beziehen sie aus dem Vergleich der Erzählungen in Bibel und Inschrift. Die Mescha-Stele war eine Inschrift des Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. regierenden Moabiterkönigs Mescha, er rühmt sich darauf seiner Taten: Er habe die Herrschaft Israels abgeschüttelt und einen Teil des moabitischen Territoriums zurückgewonnen. Dabei kommt der Ort Horonaim vor – offenbar, so die Forscher, als Sitz des von Mescha angegriffenen Königs Balak. In der Bibel wiederum werde Balaks Reich südlich vom Fluss Arnon lokalisiert – und eben auf diesem Territorium lokalisiert die Bibel auch mehrmals den Ort Horonaim.

„Der biblische Balak könnte eine historische Persönlichkeit gewesen sein“, schließen die Forscher, nämlich „der König südlich vom Arnon-Fluss, bis Mescha sein Reich eroberte.“ Der Autor der Bibelerzählung könnte viel später diesen realen König in seine Geschichte eingebaut haben, zwecks höherer Glaubwürdigkeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2019)

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