Vor 95 Jahren: Wie der Muttertag nach Österreich kam

Der Tag geht auf eine Initiative von Marianne Hainisch zurück. Sie forderte 1870 bereits die Errichtung von Realgymnasien für Mädchen.

Visitor views floral displays at the annual Hampton COurt Flower Show in Hampton near London
Visitor views floral displays at the annual Hampton COurt Flower Show in Hampton near London
Heute profitieren Floristen wirtschaftlich am meisten vom Muttertag. So viel Auswahl wie bei der "Flower Show" in Hampton gibt es in Österreich allerdings wohl nicht. – (c) REUTERS (Toby Melville)

Am kommenden Sonntag ist es in diesem Jahr wieder soweit: es ist Muttertag. Auf Initiative von Marianne Hainisch ist der Tag 1924 erstmals in Österreich begangen worden. Ihr Sohn Michael war ab 1920 erster Bundespräsident der Republik. Den meisten dürfte die Mutter des Muttertags hierzulande als Gründerin der heimischen Frauenbewegung ein Begriff sein. Hainisch forderte bereits 1870 die Errichtung von Realgymnasien für Mädchen und die Zulassung zum Studium.

In anderen Ländern hat der Muttertag eine bei weitem längere Geschichte - die anfangs noch nicht kommerziell war: 1644 wird in England erstmals ein "Mothering Day" erwähnt, an dem alle Kinder und Enkelkinder sich bei den Eltern versammelten und feierten. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde er dort bereits im großen Rahmen begangen, bis er dann um 1900 in Amerika eingeführt wurde.

Die US-Frauenrechtlerin Ann Jarvis rief anlässlich des Todestags ihrer Mutter 1908 einen "General Memorial Day of all Mothers" - einen "Allgemeinen Gedenktag an alle Mütter" aus - und startete dafür eine groß angelegte Werbekampagne. Ein Jahr später wurde er in 45 amerikanischen Bundesstaaten offiziell begangen und 1914 zum beflaggten Staatsfeiertag erklärt.

Während der Nazi-Diktatur für Propaganda missbraucht

In Europa setzte sich der "Muttertag" jedoch erst nach dem Weltkrieg durch. In Deutschland war er 1923, in Österreich eben 1924 zum ersten Mal offiziell gefeiert worden. 1933 wurde der Muttertag von den Nationalsozialisten zum Feiertag erklärt und während der Nazi-Diktatur für eigene Blut- und Boden-Propaganda missbraucht.

Heute ist der Muttertag, der heuer am 12. Mai gefeiert wird, für zahlreiche Branchen eine willkommene Gelegenheit für gute Geschäfte: Die Gastronomie freut sich über die obligaten Ausflügler, während der Handel vor allem Süßigkeiten und Blumen über Männer und Kinder an die Frau bringt. Die größten Umsätze heimsen die Floristen ein.

(APA)

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