Zufall führte zu römischen Tor-Resten in Wiener Innenstadt

Wegen eines Gasgebrechens musste im Bereich Graben bzw. Tuchlauben die Straße aufgegraben werden. Dabei kamen nun Reste eines römischen Stadttors zum Vorschein, die Porta Decumana.

Porta Decumana in Wien "ausgegraben"
Porta Decumana in Wien "ausgegraben"
Porta Decumana in Wien "ausgegraben" – STADTARCHÄOLOGIE WIEN/7REASONS

Im römischen Legionslager Vindobona - sowie auch in vergleichbaren Anlagen - endete die Via Decumana in einem Stadttor, der Porta Decumana. Es lag im Bereich Graben bzw. Tuchlauben. Dass davon Reste im Erdreich schlummern, war zu vermuten. Als nun nach einem Gasgebrechen die Straße aufgegraben wurde, bot sich tatsächlich ein Blick in die Vergangenheit - konkret auf Fundamentsteine des Torbogens.

Steine der Porta Decumana
Steine der Porta Decumana
Steine der Porta Decumana – APA/MARTIN MOSSER

Für Passanten gestaltete sich das Geschehen eher wenig spektakulär. Die von der Naglergasse bis in die Bognergasse reichende Künette stellte für die meisten wohl lediglich ein Flanierhindernis an einem hochfrequentierten City-Hotspot dar. Die darin verborgene kleine Sensation war nur für Experten erkennbar, also etwa für Constance Litschauer und Martin Mosser von der Stadtarchäologie.

Steine beim Leitungseinbau vor 100 Jahren nicht erkannt
++ HANDOUT ++ ROeMISCHE AUSGRABUNGEN IN DER WIENER INNENSTADT
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APA/CONSTANCE LITSCHAUER

Wie die Archäologen erläuterten, dürften die Steinquader erstmals nach rund hundert Jahren wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben. Zu jener Zeit wurden daran vorbeiführende Leitungen eingebaut. Die Bedeutung des Fundes wurde aber offenbar nicht erkannt, da die Reste des Südtores damals vermutlich auch beschädigt wurden.

Nun konnten die Fachleute das historische Gestein - rechtzeitig vor dem erneuten Verschwinden - identifizieren. Dank der Zufallsentdeckung kann die südwestliche Haupteinfahrt ins Kastell nun ziemlich genau verortet werden. Wenige Meter entfernt wurde ein weiterer Quader freigelegt, der die Fahrbahnmitte bzw. die Teilung des Tores markiert haben könnte. Auch Schotterreste wurden gesichtet. Der Fahrbahnbelag der technisch weit entwickelten Römer war laut den Archäologen hochwertiger als jener später im Mittelalter.

Vom Michaelerplatz ins Lager Vindobona

Die Straße, also die Via Decumana, führte direkt von der Vorstadt ins Lager. Die Reste von der Umgebungssiedlung sind auf dem benachbarten Michaelerplatz zu sehen. Spaziert man von dort über den Kohlmarkt (wie dieser Decumana-Abschnitt heute heißt) Richtung Graben, wandelt man somit auf historischen Spuren. Man geht direkt auf jenen Platz zu, an dem einst die Eingangspforte ins Lager Vindobona stand.

Vor den an beiden Seiten angrenzenden Mauern befand sich übrigens der in solchen Fällen übliche Graben mit diversen Verteidigungseinbauten. Er blieb als Straßenname enthalten. Das Tor selbst bestand bis ins 12. Jahrhundert, als auf den Fundamenten des römischen Vermächtnisses neu aufgebaut wurde. Anstatt der Porta Decumana wurde das sogenannte Peiler- oder Bairertor errichtet, das bis 1731 dort stand.

Die nun ausgegrabenen Reste werden bald wieder zur Gänze unter dem Pflaster verschwinden, weitere archäologische Grabungen wird es dort nicht geben. Dafür hofft man andernorts auf Entdeckungen. Auch die benachbarte Rotenturmstraße folgt nämlich der alten Lagergrenze. Dort finden derzeit ebenfalls Bauarbeiten statt.

(APA)

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