Eva Fischer - »sound:frame«: Musik zum Anschauen

Eva Fischer hat ein Festival gegründet und will Visualisierung bald in Schulen bringen.

Eva Fischer
Eva Fischer
(c) (Bernhard Schober)

Was passiert, wenn jemand eine profunde Gesangsausbildung macht und zusätzlich dann Kunstgeschichte studiert? In den meisten Fällen: nichts Besonderes. Das eine wird zum Hobby, das andere zum Beruf. Such is life. Nicht so jedoch bei Eva Fischer. Sie kombinierte beides zu einer Leidenschaft: der Visualisierung von Musik.

„Im Nachhinein“, sagt Fischer, „lag es für mich auf der Hand, Töne sichtbar zu machen.“ Mag sein. Trotzdem ist ihr Werdegang doch erstaunlich: Immerhin rief Fischer 2007 mit nur 23 Jahren im Alleingang ein Festival ins Leben. Ermöglicht wurde das durch ein Praktikum im Wiener Künstlerhaus, das offenbar so gut verlaufen war, dass man die Studentin einlud, in der Künstlerhaus-U-Bahn-Passage eine kleine Ausstellung zu kuratieren. Das Ergebnis: Fischer, die selbst als „e:v/a“ als VJ (Visual Jockey) tätig ist, erfand das sound:frame-Festival für Visualisierung von Musik. Von „kleiner Ausstellung“ kann heute freilich keine Rede mehr sein. Die Schau samt üppigem Rahmenprogramm ist längst ins Künstlerhaus selbst übersiedelt und zum Fixpunkt im Kulturkalender geworden. Nicht nur im heimischen. 2008 wurde sound:frame vom britischen „DJ Magazine“ zum „VJ-Event des Jahres“ gekürt. Und auch die Zahl der am Festival beteiligten Disziplinen ist seit den Anfängen gestiegen: Neben Musikern und Visualisten sind Architekten und, ab 2011, Tanz-Performances mit dabei.

New York, St.Pölten. Fischer selbst ist inzwischen Unternehmerin. Mit ihrer Firma sound:frame kuratiert sie nicht nur das Festival, sondern realisiert auch während des Jahres Projekte: 2009 war man in New York, heuer gab es einen Auftritt im Österreich-Pavillon auf der Expo in Shanghai, nächstes Jahr fliegt man mit einem Symphonieorchester nach Melbourne und auch das Festspielhaus in St. Pölten hat angefragt. Das Kapital der Firma sind die guten Kontakte zur „Szene“: Wer Visualisten sucht, landet bald bei Fischer.

Apropos „Szene“: Im internationalen Vergleich hat Wien unter Visualisten einen guten Ruf. Hier sei viel los, heißt es. Stimmt, sagt Fischer, nach einer Erklärung dafür suche sie schon „seit Jahren“. „Vielleicht hängt es damit zusammen, dass es hier bessere Förderungen gibt als in südlicheren Ländern, oder es liegt es an der Pionierarbeit von Visualisten-Urgesteinen wie Pepi Öttl oder Julia Starsky.“ Übrigens: Was in Wien viele erstaunt (sogar Fischer selbst), ist der hohe Frauenanteil bei Visualisten, auch ihr sound:frame-Team ist vor allem weiblich.

Eine zweite Überraschung – hier aber nur für den Laien – ist das weite Einsatzgebiet der Visualisten. Tanzmusik in Clubs mit bewegten Bildern zu unterlegen ist zwar der ursprüngliche Job, aber eben nur einer von vielen möglichen (und tatsächlich kein so gut bezahlter). „Ich kann mir heute keine größere Veranstaltung ohne VJ mehr vorstellen“, sagt Fischer. So setzen VJs Firmen-Events in Szene und bespielen– kommerziell oder künstlerisch – Häuserfassaden. Dabei erzielen sie durch sogenanntes Mapping (d. h. die Projektion schmiegt sich an und um die Objekte) frappante 3-D-Effekte. Auch das Theater greift gern auf Visualisten zurück und mit Literaten, etwa bei Lesungen, gibt es ebenfalls Kooperationen. Auffallend ist, dass Projektionen immer öfter zum Mitmachen einladen: Die Software reagiert auf die Einflüsse der Umgebung und in Clubs wie der Wiener Pratersauna drückt der VJ den Gästen auch schon mal kurz ein iPhone in die Hand, damit diese die Projektion selbst verändern.

Die Möglichkeit von Interaktionen könnte Visualisierung auch für Museen oder Schulen interessant machen, glaubt Fischer – für Infotische beim Museumseingang oder Präsentationen vor der Klasse: „Das Wissen könnte so schneller und intuitiver erfasst werden.“ Vom Musikclub zurück in die Schule – eigentlich eine ziemlich witzige Visualisten-Vision.

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