Cecily Corti

Vinzirast

Cecily Corti
Cecily Corti
(c) Isabelle Saurer

In Wien-Meidling gibt es seit 2004 das VinziRast-CortiHaus, eine niederschwellige Notschlafstelle für Obdachlose. Gegründet wurde diese von Cecily Corti, der 70-jährigen Obfrau des Vereins Vinzenzgemeinschaft St. Stephan. Sie arbeitete bei mehreren internationalen Organisationen und als Therapeutin, bevor sie sich der Betreuung von Obdachlosen widmete. Mit Übergangswohnungen und Kursen hilft sie beim Wiedereinstieg ins geordnete Leben.

Ein Ort für den Rand der Randgesellschaft

Stockbetten reihen sich aneinander. Sorgsam gefaltete, bunte Bettwäsche. Ein länglicher Raum, der an eine Jugendherberge erinnert. Lustige Abende mit Schulkollegen finden hier allerdings nicht statt. Hier, in Wien-Meidling, befindet sich die Notschlafstelle „VinziRast“ für Obdachlose, die Cecily Corti 2004 gegründet hat und seither leitet.

Ordnung und Struktur sind der Witwe des Regisseurs Axel Corti wichtig. Die „Gäste“, wie Corti sie nennt, sollen schließlich einen würdigen Platz zum Schlafen erhalten. „Zu uns kommen die, die die Aufnahmekriterien in anderen Häusern nicht erfüllen können“, fasst Corti die Grundidee des Hauses mit 48Betten zusammen. Mehrmals spricht die 70-Jährige von „bedingungsloser Akzeptanz“. Es sind Alkoholiker, die hier auch Alkohol (in Maßen) trinken dürfen. Junge Menschen, die ihre Hunde mitnehmen. Pärchen, die sich hier ein Bett teilen. Ausländer, die sonst wenig Möglichkeiten haben, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Gerade die ausländischen Obdachlosen hätten sich in letzter Zeit vermehrt, sagt Corti.

Wenn sich österreichische und ausländische Obdachlose in der VinziRast letztlich nur in den Abend- und Nachtstunden Raum und Luft teilen, so laufen diese Stunden dennoch nicht immer problemlos ab. „Wir haben manchmal auch ausländerfeindliche Gäste. Das kann zu Konflikten führen.“ Daher achten Cortis Mitarbeiter darauf, dass die Atmosphäre stimmt. Wenn muslimische Gäste in einem Eck ihr Gebet verrichten, werden sie nicht gestört.

 

Ausruhen für einen Euro

Der Duft von angebratenen Zwiebeln und frischem Salat weht durch das Esszimmer. In der Küche stehen zwei Männer und bereiten Schinkenfleckerln zu. „Inzwischen geht es uns wirklich gut“, sagt Corti und zeigt auf die Lebensmittel auf dem Tisch. Heute könne man bis zu 60 Euro für das Abendessen ausgeben – für bis zu 60 Personen. Es ist noch nicht so lange her, da waren es 15 Euro. Die zwei Köche sind ehrenamtlich im Einsatz – wie rund 70 weitere Mitarbeiter auch.

Cortis Gäste bezahlen einen Euro für die Nacht. Dafür erhalten sie eben ein Abendessen, Frühstück, Bettwäsche, die Möglichkeit zu duschen – und einen Ort zum Ausruhen. Bis zu vier Wochen dürfen die Obdachlosen in der VinziRast verbringen. Dann entscheiden die Mitarbeiter, ob die Frist verlängert wird. Dabei komme es auf den Einzelfall an, sagt Corti. Wenn die Gäste bereits längere Zeit da sind – und es wird gerade ein Platz frei –, können sie in eine der 16 Wohnungen im VinziRast-CortiHaus über der Notschlafstelle einziehen. Dort, so Corti, können die Gäste auch ihren Lebensabend verbringen.

 

Nähe zum „wirklichen Leben“

„Ich habe ein intensives Leben gelebt“, sagt die 70-Jährige. „Ich hatte einen Mann, der hohe Ansprüche hatte, an sich und an seine Familie.“ Nach seinem Tod (Axel Corti starb 1993 an Leukämie) hat sich Cecily Corti ehrenamtlich engagiert. Vor rund acht Jahren kontaktierte sie Wolfgang Pucher, der das Vinzidorf (mehrere Einrichtungen für Obdachlose) in Graz gründete. Corti nahm Puchers Idee mit nach Wien. Zuvor musste sie große Vorbehalte von offizieller Seite überwinden, sagt sie. Auch die Nachbarn mussten erst überzeugt werden. Und Geld – davon könnte es freilich mehr geben (VinziRast finanziert sich ausschließlich von Spenden).

Cortis Einsatz ist ein Fulltime-Job. Sie ist fast jeden Tag in der VinziRast, rund zweimal pro Woche macht sie Nachtdienst: „Ich wollte mich einer Herausforderung stellen, das mich dem wirklichen Leben näher bringt.“ Und: Ihr Engagement erfülle ihren Alltag.

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