Josef Fink - Der Mann, der das Wasser nach Brasilien brachte

Die Menschen im Herzen Brasiliens mussten bisher ihr Trinkwasser aus Regenlacken schöpfen. Bis Josef Fink kam. Der Oststeirer hat in Eigenregie ein Brunnenbauprojekt initiiert. 60 Brunnen gibt es bereits.

Josef Fink
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(c) Kanizaj Marija-M.

„Ich kann gar nicht anders“, sagt Josef Fink. Der 63-Jährige meint damit sein Engagement für Bauern in Brasilien. Spenden zu sammeln – das hätte sich der pensionierte Landwirt aus dem oststeirischen 500-Einwohner-Dorf Oberrettenbach nie vorstellen können. „Aber wenn man die Armut der Menschen dort sieht...“

Fink hat sie 2005 erstmals in einem Diavortrag einer Ordensschwester gesehen. Und sie hat ihn nicht mehr losgelassen. Männer, Frauen, Kinder, die ihr Trinkwasser mit Konservendosen aus Regenwasserlacken schöpfen und durch Augeninfektionen und Durchfall geschwächt sind. Rinder, die aufgrund der Dürre verenden. Felder, auf denen wegen der Trockenheit nichts wächst. „Da muss man doch etwas machen können“, dachte sich Fink.

Mit zwei Koffern, vollgepackt mit 36 Kilo „Eisentrümmern“ (Fink über die ersten Bohrutensilien) ist er 2005 in Caiaponia angekommen. Mit Wünschelrouten wurde zunächst die Quelle eines kleinen Baches ausfindig gemacht, und Probebohrungen wurden durchgeführt. Mit Erfolg. „Die Leute weinen vor Freude, wenn das erste Mal Wasser aus dem Brunnen fließt“, schildert Fink den spontanen Lohn seines Engagements. Mittelfristig kann durch das saubere Wasser nicht nur der Hygiene- und damit Gesundheitsstandard der Bevölkerung gehoben, sondern auch die Grundlage für eine sanfte Viehbewirtschaftung gelegt werden. Denn die bisher vorwiegend gehaltenen Rinder haben nicht nur zu wenig zu trinken, auch das Gras ist während der Trockenzeit zu schütter und kurz, weshalb viele Tiere starben, bevor sie verkauft werden konnten. Deshalb hat Fink eine Umstellung auf Schafe initiiert und den Bauern damit eine erste Einnahmequelle verschafft. „Denn die Menschen dort sind nicht faul, nur machen sich Lethargie und Hoffnungslosigkeit breit, wenn nichts wächst“, sagt Fink. Er hat ihnen die Hoffnung zurückgebracht.

Mit eigens entwickelten, tragbaren Bohrern werden 18 Zentimeter dicke Schächte zehn bis zwanzig Meter in Schotter, Sandstein oder Kalkgestein getrieben. Die Brunnen schaffen 600 bis 3500 Liter Schüttleistung pro Stunde. 60Brunnen sind mittlerweile in die sandige Erde im weiten und vergessenen Hinterland rund 500Kilometer südwestlich der Hauptstadt Brasilia gebohrt worden. Auf einer Fläche, die elfmal so groß ist wie Österreich, ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das weiß auch Fink. Aber ein Tropfen, der den Menschen helfen soll, aus der Armutsspirale herauszukommen. „So können wir einerseits die Armut beheben, andererseits den Urwald schonen“, verweist der ehemalige Schweinebauer auf den doppelten Nutzen.

 

200 Euro kostet ein Brunnen

Denn bisher sind die Bauern immer tiefer in den Amazonasurwald ausgewichen, um der Natur eine Lebensgrundlage abzutrotzen. Das soll dank der Brunnen zumindest gebremst werden. 200 Euro kostet einer. Damit können bis zu zehn Familien versorgt werden. Mittlerweile werken unter der Aufsicht eines deutschstämmigen Brasilianers zwei Bohrungsgruppen. „Die arbeiten um die Wette“, freut sich Fink über den positiven Konkurrenzdruck. Als Ziel nennt er zehn Gruppen: „Die könnten zwischen 500 und 1000 Brunnen pro Jahr schaffen.“ Dafür ist Fink auch auf der Suche nach gebrauchten Generatoren, Kompressoren oder Bohrern, die bei heimischen Industriebetrieben ausgemustert werden, in Brasilien aber noch wertvolle Dienste leisten könnten.

Fink selbst war bisher drei Mal selbst vor Ort. Wann das nächste Mal? „Viel wichtiger wäre es, wenn auch Touristen die Gegend besuchen würden“, wünscht sich der vierfache Familienvater. „Dann würden auch sie die Armut sehen und könnten wahrscheinlich nicht anders, als zu helfen.“

Auf einen Blick

Josef Fink war Schweinebauer in der Oststeiermark. Heute hilft der Pensionist Menschen in Brasilien, die aufgrund der Wetter- und Bodenbedingungen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten. Der 63-Jährige baut mittels eigens entwickelter Bohrtechnik Brunnen für jene, die ihr Trinkwasser aus verschmutzten Regenwasserlacken schöpfen mussten. 200 Euro kostet ein Brunnen, 60 gibt es bereits. Fink sucht neben Spendern auch gebrauchte Geräte.

 

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