Angyan Thomas

Der langjährige Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde bereitet die Jubiläums-Saison zum 200. Geburtstag des Musikvereins vor – und verwaltet die Wunschadresse aller bedeutenden Musiker.

(c) Clemens Fabry

Was ist ein erfolgreicher Kulturmanager? Einer, der das Angebot seines Institutes vervielfacht, ohne dazu vermehrt öffentliche Gelder zu brauchen. Einer, der öffentliche Zuwendungen überhaupt nur in Maßen nötig hat, obwohl er ausschließlich Veranstaltungen auf internationalem Spitzenniveau anbietet. Einer, der Kinder- und Jugendarbeit ganz selbstverständlich in ein kulturelles High-End-Unternehmen implementiert.
Thomas Angyan, seines Zeichen promovierter Jurist, ist einer von jener raren Sorte. Er feiert 2012 gleich zwei Jubiläen. Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, deren Intendant er ist, begeht den 200. Jahrestag ihrer Gründung. Und er selbst ist seit einem Vierteljahrhundert im Amt.

Als Angyan in den Achtzigerjahren antrat, war der „Musikverein“, wie er in Wien kurz genannt wird, zwar schon der „Musikverein“. Aber seit damals hat sich die Institution „vervielfacht“. Ein gigantisches Bauvorhaben vermehrte die räumlichen Gegebenheiten des 1870 eröffneten Hauses vis à vis der Karlskirche um vier neue Säle, die Probenmöglichkeiten bieten und vor allem auch zusätzliche Veranstaltungen verschiedenster Couleur ermöglichen, vom Konzert mit jungen Künstlern über Spezialprojekte, in denen Weltstars sich einmal in ungewohntem Zusammenhang vorstellen können, bis hin zu pädagogischen Konzerten.

Damit bietet die Gesellschaft der Musikfreunde mittlerweile über 800 Veranstaltungen pro Spielzeit. Der große Saal in seiner Vergoldung mit Musen-Porträts und üppigen Karyatiden ist weltberühmt, nicht zuletzt, weil hier pünktlich am 1. Jänner, 11.15 Uhr, die prominentesten Mieter musizieren: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker stellt für hunderte Millionen Menschen den Inbegriff der klassischen Musikpflege wienerischer Provenienz dar.

An der Ausprägung dieses Wien-Images hat die Gesellschaft der Musikfreunde seit 1812 ihren gewichtigen Anteil. Seit damals pflegt man in Wien konsequent die ererbte Musik seit Bach und Händel – und reichert sie mit den jeweils neuesten Werken des Genres an. Seit Thomas Angyan die Zügel in die Hand genommen hat, hat nicht nur die Aufführung von klassischen und romantischen Meisterwerken kräftig zugelegt, auch die Präsenz der neuen und neuesten Musik ist in den Musikvereins-Konzerte eminent. Allein zur 200-Jahr-Feier steuern in- und ausländische Kapazitäten von Friedrich Cerha bis Krzysztof Penderecki Novitäten bei.

Die Einrichtung von Orchester-Residenzen beschert den Wiener Musikfreunden regelmäßige Begegnungen mit den führenden Orchestern der Welt – von Berlin bis Cleveland. Und der Nachwuchs lernt die heimische Klassik-Tradition auf sozusagen natürliche Weise in den Räumen des Musikvereins-Gebäudes kennen, weil dort pädagogisch kundig aufbereitete Zyklen für Kinder und Jugendliche angeboten werden – und immer restlos ausverkauft sind.

Dass es keinen Nachwuchs für Klassik gibt, kann der Musikvereins-Intendant seit Jahren in den Bereich der Legenden verweisen. Mögen andere Häuser weltweit Schwierigkeiten haben, Klassik an Mann und Frau zu bringen. Die berühmten goldenen Musikvereins-Plakate ziert regelmäßig das Schild: ausverkauft. Vor allem neue Zyklen werden begierig angenommen.

Förderung der Musik in allen ihren Zweigen

„Wir wissen sehr genau, dass etliche Musikfreunde, die über unser Jugend-Programm mit Mozart, Beethoven und Brahms vertraut wurden, mittlerweile zu unseren Abonnenten gehören“, weiß Thomas Angyan zu berichten. Sein Institut blüht und gedeiht, nicht nur, was die Live-Veranstaltungen betrifft, sondern auch in Bezug auf den Ausbau der einzigartigen Sammlung des Musikvereins-Archivs, in dem sich unter anderem die Nachlässe von Komponisten wie Johannes Brahms oder Gottfried von Einem finden; getreu dem einstigen Motto, das sich die Gesellschaft bei der Gründung auf die Fahnen heftete: „Die Emporbringung der Musik in all ihren Zweigen“.

Zur Person

Thomas Angyan, am 16. März 1953 in Wien geboren, maturierte 1971 im Theresianum. Der Jurist war von 1978 bis 1987 Geschäftsführer der Musikalischen Jugend Österreichs. Seit 1988 ist er Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Angyan ist u. a. Gründungsmitglied des Gustav Mahler Jugendorchesters und Vorsitzender des Kuratoriums der Ernst von Siemens Stiftung.

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