Humanitäres Engagement

Walter Emberger: Ein Ex-Berater verändert Lebenswege

Mit Teach For Austria hat Walter Emberger mehr als 200 Uni-Absolventen an Brennpunktschulen geschickt.

Walter Emberger.Walter Emberger.
Walter Emberger.Walter Emberger.
(c) TfA, WIWiWi

Seit mittlerweile sechs Jahren ist Walter Emberger ein Fixpunkt der heimischen Bildungsszene. Und er ist einer, der nicht nur redet, sondern der anpackt: Mehr als 200 Uni-Absolventen aller Richtungen hat er seitdem für zwei Jahre als Lehrer in Brennpunktschulen geschickt. Schulen etwa im zehnten Wiener Gemeindebezirk, mit vielen Kindern aus sozial schwachen Familien, vielen Kindern mit ausländischen Wurzeln.

Seine Initiative „Teach For Austria“ hat ihre Wurzeln in den USA, wo das Programm „Teach For All“ vor über zwanzig Jahren von der Harvard-Absolventin Wendy Kopp gestartet wurde. Die Idee: Allen Kindern erfolgreiche Bildungswege zu ermöglichen, auch jenen, die weniger gute Startbedingungen haben. „Eine einzige Lehrkraft kann Lebenswege verändern“, lautet der Ansatz. „Gemeinsam verändern wir Tausende.“

Emberger selbst kommt auch nicht aus dem Bildungsbereich. Der gebürtige Salzburger hat an der Wirtschaftsuniversität studiert, arbeitete als Sojatrader und im Bankensektor. Nach einem Jahr in Fontainebleau, an einer der renommiertesten Business Schools der Welt, wird er Unternehmensberater. Über ein Beratungsprojekt an der Fachhochschule Salzburg landet er schließlich in dem Bereich, dem er bis heute treu ist: der Bildung. Zunächst als Fachhochschulstudiengangsleiter und seit sechs Jahren eben mit Teach for Austria, einer Idee, auf die er stieß, als er nach Möglichkeiten suchte, um bei den Bildungschancen früher anzusetzen als erst an der Hochschule. Wie wichtig das ist, kennt er aus Erfahrung: Die akademische Karriere wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. In seiner Familie machte er als erster Matura.

Vor wenigen Wochen haben 45 neue Lehrer – sogenannte Fellows – zu unterrichten begonnen, 42 in Wien, drei in Niederösterreich. Nachdem das Projekt in Salzburg ausgelaufen ist, soll kommendes Jahr mit zwölf Fellows in Oberösterreich gestartet werden. Eine Wärmestube für arbeitslose Akademiker sei das nicht: Nicht nur, dass es Einfacheres gibt, als in einer Brennpunktschule zu unterrichten. Wer das tun möchte, durchläuft bei Teach for Austria ein strenges Bewerbungsverfahren. Bisher kamen stets rund 20 Interessenten auf einen Platz.

„Vor 30 Jahren mehr verdient“

Rund die Hälfte der Fellows bleibt auch nach den zwei Jahren in der Schule und absolviert parallel das, was fürs Lehramt noch fehlt. Manche gründen Start-ups im Bildungsbereich. Die anderen sollen ihre Erfahrungen in anderen Positionen, von der Wirtschaft bis zur Politik, in die Welt tragen.
Mit seinem Weg ist der 59-Jährige glücklich – nicht nur, weil er die Herausforderung bietet, die Emberger nie gescheut, sondern eher gesucht hat. „Vor 30 Jahren habe ich mehr verdient als jetzt“, sagt er. „Erfolg und Liebe habe ich jetzt.“ Was sich Emberger von der Politik wünscht? „Dass wir Österreich unternehmerischer machen, und dass man sich nicht auf den Staat oder zwei große Parteien verlässt, sondern Eigenverantwortung lebt und sein Schicksal selbst in die Hand nimmt.“ Teach for Austria geht da wohl mit gutem Beispiel voran. (beba/d. n.)

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