Wirtschaft Wissenschaft unplugged: „360° Handel – Perspektiven auf den Marktplatz der Zukunft“

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(c) Stanislav Jenis

Am 15. März sorgte die „Presse“ an der Wirtschaftsuniversität Wien für ein volles Haus: Studierende, Lehrende und Unternehmer fanden sich im Festsaal der Wirtschaftsuniversität ein, um einen Experten des österreichischen Lebensmittelhandels zu hören. Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der REWE International AG, gab sich die Ehre und verortete Österreichs Status quo inmitten der digitalen Revolution: Noch nie seien die Konsumenten besser informiert gewesen; die Sortimentsbestellung im Handel richte sich mittlerweile nach den Trends im Netz. Hensel vertritt die Meinung, dass es das aktuell vom Handel praktizierte Marketing bald nicht mehr geben werden. Denn der durch die Digitalisierung bedingte Strukturwandel im Lebensmittelhandel führe dazu, dass jeder Besuch einer Website getrackt wird, die Daten werden dann vom Handel aufgekauft. Daran werde sich die Werbung in Zukunft ausrichten.

Neue Arbeitsplätze in der Digitalen Welt

Dass die Digitalisierung zu einem Umdenken im mit dem LEH in Verbindung stehenden Marketing führt, steht auch für den zweiten Speaker des Abends, WU-Professor Peter Schnedlitz, außer Frage. Doch mit einigen Vorurteilen will der Professor aufräumen, denn laut seiner Ansicht funktionieren Konsumenten nicht so, dass die neue Billa-Werbung für sie die wichtigste Information des Tages ist. Händler müssten nützlich sein und Informationen transportieren.

Bei der von „Presse“-Chefredakteur und Herausgeber Rainer Nowak moderierten Diskussion wurde auf ein Thema in Verbindung mit der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung besonders hingewiesen: Jobverluste wird es geben. Doch die Horrorzahlen von bis zu 50% Jobverlust im Handel, die immer wieder kursieren, würden laut Schnedlitz sicher nicht stimmen. Hensel teilt diese Ansicht, denn die Digitale Welt schaffe indirekt und direkt neue Arbeitsplätze. Rewe brauche beispielsweise immer mehr Data-Scientists. Außerdem habe bis jetzt noch jede industrielle Revolution dazu geführt, dass Arbeitsplätze wegfallen, gleichzeitig wurde aber immer ein Mehrwert geschaffen, der diesen Teil der verloren gegangenen Jobs abgefedert hat. Hensel ist überzeugt davon, dass das auch bei der digitalen Revolution der Fall sein wird. Die Herausforderung werde eher sein, einen sozialen Konsens zu schaffen.

Zur Veranstaltungsreihe:
Erste Group, Wirtschaftsuniversität Wien und „Die Presse“ laden im Rahmen der Veranstaltungsserie „Wirtschaft Wissenschaft Unplugged“ bekannte Unternehmer und Manager sowie renommierte Professoren der WU Wien ein, um vor Interessierten zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen Stellung zu nehmen. Die Gäste können im Anschluss „unplugged“ ihre Fragen an die Vortragenden stellen.

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