Gericht

Kahlrasiert in Glasbox: Russischer Spionageprozess gegen US-Reporter Gershkovich beginnt

Gershkovich war am 29. März 2023 vom Inlandsgeheimdienst FSB in Jekaterinburg im Ural festgenommen worden. 
Gershkovich war am 29. März 2023 vom Inlandsgeheimdienst FSB in Jekaterinburg im Ural festgenommen worden. APA / AFP / Natalia Kolesnikova
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Russland wirft dem Korrespondenten des „Wall Street Journal“ Evan Gershkovich Spionage für die CIA vor. Am Mittwoch startet der Prozess hinter verschlossenen Türen. Dem 32-Jährigen drohen 20 Jahre Haft.

Der seit 15 Monaten in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage inhaftierte US-Reporter Evan Gershkovich ist kurz vor Prozessbeginn vor einem Gericht in Jekaterinenburg von den Justizbehörden präsentiert worden. Der 32-jährige Korrespondent des „Wall Street Journal“ stand kahlrasiert mit verschränkten Armen und mit einem Hemd bekleidet in einer separaten Glasbox im Gerichtssaal.

Das Verfahren selbst findet hinter verschlossenen Türen statt. Weder Medien noch Freunde, Familienmitglieder oder Mitarbeiter der US-Botschaft dürfen Gershkovich unterstützen. Der Ausschluss der Öffentlichkeit ist bei Spionage- oder Hochverratsprozessen in Russland üblich. Präsident Wladimir Putin hatte erklärt, dass Russland im Fall Gershkovich offen für einen Gefangenenaustausch mit den USA sei und es bereits Kontakte dazu gegeben habe.

Im März 2024 gedenkt das „Wall Street Journal“ der einjährigen Inhaftierung von Evan Gershkovich. Damals noch mit längeren Haaren.
Im März 2024 gedenkt das „Wall Street Journal“ der einjährigen Inhaftierung von Evan Gershkovich. Damals noch mit längeren Haaren.APA / AFP / Timothy A. Clary

Gershkovich bestreitet Vorwürfe

Gershkovich war am 29. März 2023 vom Inlandsgeheimdienst FSB in Jekaterinburg im Ural festgenommen worden. Ihm wird Spionage für den US-Geheimdienst CIA vorgeworfen. Den Ermittlungsbehörden zufolge sammelte er im Auftrag der CIA in der Region Swerdlowsk geheime Informationen über die Arbeit eines Rüstungsunternehmens zur Herstellung und Reparatur von Militärausrüstung. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren. Die Zeitung und Gershkovich selbst bestreiten die Spionagevorwürfe.

USA: „Anklage entbehrt jeglicher Grundlage“

Das US-Präsidialamt nannte die Vorwürfe lächerlich. Auch die US-Regierung hatte mit deutlichen Worten auf die bisher nicht bewiesenen Vorwürfe reagiert. „Die Anklage entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, in Washington. „Journalismus ist kein Verbrechen. Die Vorwürfe gegen ihn sind falsch, und die russische Regierung weiß, dass sie falsch sind. Er sollte sofort freigelassen werden.“

Laut Kreml laufen Gespräche zu einem Gefangenenaustausch um Gershkovich. Die Inhaftierung von US-Bürgern in Russland zieht oft komplizierte Verhandlungen zwischen Moskau und Washington über eine Freilassung oder einen Austausch nach sich. Trotz der gespannten russisch-amerikanischen Beziehungen gab es in der Vergangenheit immer wieder Gefangenenaustausche.

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