"Durch Arbeit kann man nicht reich werden"

Hohe Steuern als Rezept gegen Ungleichheit bei Vermögen? Die weit auseinander klaffende Schere bei Gehältern und Wohlstand stand im Mittelpunkt der Eröffnung der Wirtschaftsgespräche.

Symbolbild: Aktientabelle
Symbolbild: Aktientabelle
Symbolbild: Aktientabelle – (c) BilderBox (BilderBox.com)

Man hätte auf die Uhr sehen können: Wenn es um Ungleichheit geht, ist das Thema Managergehälter nicht weit. Und die ungleiche - und ungerechte - Verteilung von Vermögen. Ebenso wenig fehlen Forderungen nach einer höheren Besteuerung dieser Spitzeneinkommen und Reichtümer.

Und so war es auch bei der Eröffnung der diesjährigen Alpbacher Wirtschaftsgespräche. Ob die beiden Sozialpartner-Präsidenten Christoph Leitl (Wirtschaftskammer) und Rudi Kaske (Arbeiterkammer), der OECD-Analyst Michael Förster, der Yale-Professor John E. Roemer, Ex-Deutsche-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger und die WU-Ökonomin Alyssa Schneebaum: Die Schere in den Einkommen bildete neben den ungleichen Bildungschancen aufgrund des sozialen Hintergrunds und den damit verbundenen gebremsten Aufstiegsmöglichkeiten, sowie Möglichkeiten der Vermögensbesteuerung die Hauptaspekte. Und es verwunderte auch nicht, dass der politische Hintergrund die Marschrichtung bestimmte.

„Ungleichheit entsteht durch freie und unregulierte Märkte“, lautete denn auch die Analyse von Kaske. Dazu käme die „Schieflage der Einkommens- und Vermögensverteilung“. Reichtum müsse daher besser verteilt werden, um mehr Menschen in den Genuss von Wohlstand kommen zu lassen. Denn „durch Arbeit kann man nicht reich werden“. Eine Schlussfolgerung, der an diesem Dienstagnachmittag niemand widersprach.
Kaskes Meinung, dass Österreich das Schlusslicht bei vermögensbezogenen Steuern sei, bezeichnete Leitl indes als „gefährliche Drohung“. Was ihm prompt den Applaus der 500 Gäste einbrachte. Mit der Forderung nach einer „Reichensteuer“ war Kaske nicht allein. Auch Roemer machte sich dafür stark.

Marshallplan für Flüchtlinge

Während Leitl einen Marshallplan für Flüchtlinge forderte, die jetzt zu Tausenden ihre vom Krieg zerstörten Heimatländer verlassen, um ihnen auf die Beine zu helfen („so wie uns Europäern nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen worden ist“), belegte OECD-Manager Förster mit Zahlen die wachsende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen in den Industrieländern.

Demnach würden die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung in den 34 OECD-Mitgliedstaaten über 25 Prozent des Einkommens und 50 Prozent des Wohlstandes verfügen. Die mittleren 50 Prozent verfügten über 55 Prozent des Einkommens und 47 Prozent des Wohlstandes. Und die unteren 40 Prozent hätten 20 Prozent der Einkommen und nur drei Prozent des Wohlstandes.
„Die reichsten zehn Prozent verdienen zehnmal mehr als die ärmsten zehn Prozent“, hatte Förster eine weitere wenig ermutigende Zahl parat.

Während Förster als Gründe für die wachsende Ungleichheit ineffiziente Beschäftigungsmuster, das Steuersystem sowie den technologischen Wandel ortete, legte Roemer den Schwerpunkt auf den Bildungshintergrund des Elternhauses. Der Einzelne könne sich noch so anstrengen, der soziale Background spiele eine wesentliche Rolle, wenn es um Chancen in Bildung und Fortkommen geht. Für Roemer, der im Gleichklang mit dem linken Ökonomen Thomas Piketty für eine Reduktion der Konzentration an Kapital plädierte, gibt es auch ein Vorbild: Die nordischen Staaten, vor allem Dänemark, hätten es durch eine geschickte Politik geschafft, die aufklaffende Schere in Grenzen zu halten.

Dass Ungleichheit auch Chancen bergen kann, wenn sie als Leistungsanreiz fungiert, wurde indes nur am Rande gestreift. „Jeder Unternehmer will, dass seine Produkte einmalig sind, sich von anderen unterscheiden“, sagte Leitl. Allerdings dürfe nicht nahezu eine Milliarde Menschen hungern und über kein Trinkwasser verfügen.
„Ungleichheit ist sehr teuer“, meinte Schneebaum auf die Frage, wie ungleich eine Gesellschaft sein möchte. Sattelberger betonte, dass Ungleichheit durchaus wichtig sei, wenn man sie als Ansporn für Neugier, Wissbegier und den Willen zu lernen sehe. Allerdings, so der Top-Manager, stelle sich immer die Frage: „Was ist die richtige Dosis?“

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