Deutscher Pfusch bei der Produktion?

Kostenexplosion. In Berlin muss das Budget für die Eurofighter aufgestockt werden.

Wien/Berlin/Ib. Zu teuer, fehlerhaft, schlampig gebaut: Der Eurofighter ist der Pechvogel unter den Abfangjägern. In Deutschland sorgte ein Bericht des „Spiegel“ für Aufregung: Die Anschaffung ist für die Bundeswehr viel teurer als geplant – das hat auch das Verteidigungsministerium bereits bestätigt.

Die bisher bewilligte Kaufsumme von 14,7 Milliarden Euro ist praktisch schon ausgegeben. Sie reicht für 108 Maschinen – bestellt sind allerdings 140 Stück, geplant sogar 180. Für die Anschaffung weiterer Eurofighter würden demnach neue Milliarden nötig sein. Bis zu 17,8 sind laut „Spiegel“-Berechnungen bis 2018 fällig. Schuld an den explodierenden Kosten sei vor allem die mangelhafte technische Verarbeitung: Softwarefehler, falsche Angaben bei den Höhenmessern bis hin zu Pfusch bei der Montage würden die Fertigstellung verzögern und die Wiederholung von Kontrollen nötig machen.

Und wie schaut die Situation der Eurofighter in Österreich aus? Laut dem deutschen Magazin haben bis zum Mai des Jahres 2011 an den Fliegern 68 Defekte zu Notfällen geführt. „Anfangsschwierigkeiten“, so die Diagnose von Karl Gruber, „Air-Chief“ beim Bundesheer (siehe Interview oben).

Und zu den explodierenden Kosten in Deutschland heißt es aus dem Verteidigungsressort in Wien: „Das betrifft unsere Verträge nicht, denn wir haben Fixpreise vereinbart.“

Doch so unproblematisch wie dargestellt ist die Causa Eurofighter nicht. Vor über zehn Jahren entschloss sich die Regierung unter Wolfgang Schüssel für die Anschaffung der Kampfflugzeuge, seither hat der Rechnungshof bereits insgesamt sieben Berichte dazu verfasst – und kritisiert darin etwa, dass die Eurofighter zu wenig in der Luft seien.


Zwei Amerikaner in Zeltweg

Vergangene Woche kam außerdem (von Grünen und FPÖ) erneut der Verdacht auf, zwei Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA würden den Abflug der Abfangjäger von Zeltweg aus freigeben. Das sei auf keinen Fall richtig, heißt es aus dem Ministerium.

Aber: Zwei Mitarbeiter einer amerikanischen Firma würden dort sehr wohl arbeiten. „Sie stellen den Eurofightern Codes für verschlüsselte Kommunikation zur Verfügung“, meint Gruber. Dieser Code werde regelmäßig geändert – „aber nicht bei jedem Abflug“, wie betont wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2013)

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