Gelockertes Abtreibungsrecht in Portugal in Kraft

APA (epa)

In Portugal ist am Sonntag das von Konservativen und Katholiken heftig kritisierte gelockerte Abtreibungsrecht in Kraft getreten. Nach den neuen Bestimmungen bleibt die Abtreibung künftig bis zu zehnten Schwangerschaftswoche straffrei. Das Gesetz war zum Weltfrauentag am 8. März im portugiesischen Parlament unter anderem mit den Stimmen von Sozialisten, Kommunisten und Grünen beschlossen worden.

Umfragen portugiesischer Medien zufolge kündigten konservative Gynäkologen und Krankenhäuser bereits Widerstand gegen die neue Regelung an. Sie wollten sich aus "Gewissensgründen" auch künftig weigern Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen.

Bisher hatte Portugal eine der strengsten Abtreibungsregelungen in Europa: Ein Schwangerschaftsabbruch war bis zur zwölften Woche lediglich nach einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Mutter oder im Fall einer Missbildung des Fötus erlaubt. Bei illegaler Abtreibung drohten Frauen Haftstrafen von bis zu drei Jahren. Bei einer Volksabstimmung sprachen sich im Februar 59 Prozent der Bürger in dem vorwiegend katholischen Staat für die Lockerung des Gesetzes aus. Die katholische Kirche erklärte dennoch, Abtreibung bleibe "eine schwere Sünde". Studien zufolge trieben allein im Jahr 2005 18.000 Portugiesinnen illegal ab, nicht selten gab es gefährliche Komplikationen. Viele Portugiesinnen ließen den Eingriff auch im benachbarten Spanien vornehmen, das ein liberaleres Abtreibungsrecht hat.

(APA)

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