Simbabwe: Merkel als "Rassistin" bezeichnet

Simbabwes Informationsminister nannte die deutsche Bundeskanzlerin ein "Überbleibsel der Nazis". Sie hatte auf der EU-Afrika-Gipfel die Menschenrechtslage in dem südafrikanischen Land angeprangert. Präsident Mugabe bezeichnete Deutschland als "arrogant".

AP (Kombo)
Beim EU-Afrika-Gipfel in Lissabon hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Zustände in Simbabwe kritisiert. Sie hatte vor allem die Menschenrechtslage angeprangert: "Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Der jetzige Zustand von Simbabwe schadet dem Bild des neuen Afrikas", sagte Merkel.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe, dessen Teilnahme an dem Gipfel umstritten war, reagierte wütend. Er warf der "Viererbande" Deutschland, Dänemark, Schweden und Holland "Arroganz" vor. Später weitete er den Vorwurf der Arroganz auf ganz Europa aus: "Europa hat gesagt, es habe wegen Simbabwe so lange keinen EU-Afrika-Gipfel gegeben. Das sehe ich anders: Es war wegen der Arroganz aufseiten der EU", erklärte Mugabe. Die Kritik der EU-Staaten wies er zurück, da deren Erkenntnisse im Widerspruch zu denen der südafrikanischen Staatengemeinschaft SADC und der Afrikanischen Union stehen: "Glaubt die deutsche Kanzlerin wirklich, dass sie Simbabwe besser kennt als die SADC und die AU?"

Mugabes Informationsminister, Sikhanyiso Ndlovu, ging in seiner Wut noch einen Schritt weiter. Er warf Merkel Rassismus vor. Die deutsche Bundeskanzlerin sei eine "Rassistin, Faschistin und ein Überbleibsel der Nazis". Zur staatlich kontrollierten Tageszeitung "Herald" sagte er wörtlich: "Simbabwe ist keine deutsche Kolonie. Das ist Rassismus erster Güte durch die deutsche Regierungschefin. Sie sollte zu Simbabwe den Mund halten oder verschwinden." Merkel sei zu solchen Aussagen nicht qualifiziert und habe "schmutzige Hände".

Ndlovu erklärte, Präsident Mugabe sei - zusammen mit dem verstorbenen Vizepräsidenten Joshua Nkomo - "ohne Zweifel eine unbestrittene Ikone des afrikanischen Nationalismus, des Panafrikanismus, ein Revolutionär und Befreier Simbabwes". Auf dem EU-Afrika-Gipfel sei er als Staatsmann von gutem Ruf erschienen und habe viele europäische Staatsmänner "wie Zwerge" aussehen lassen. Der britische Premier Gordon Brown hatte aus Protest gegen die Anwesenheit Mugabes den Gipfel boykottiert.

(APA/RED)

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