Ursula von der Leyen darf Doktortitel behalten

Der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover sah in der Dissertation der deutschen Verteidigungsministerin Fehler, aber kein Fehlverhalten.

Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel weiter führen
Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel weiter führen
REUTERS

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darf ihren Doktortitel behalten. Mit 7:1 Stimmen hat der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover gegen eine Aberkennung des Titels entschieden. Zwar stellte der Senat klare Mängel fest, im Wesentlichen in der Einleitung der Dissertation. Konkret geht es um Plagiate, also abgeschriebene Textpassagen, ohne die Originalautoren zu kennzeichnen.

Doch kamen Kommission und Senat der Uni laut dem Präsidenten der Hochschule, Christopher Baum, nun zu dem Schluss, "dass das Muster der Plagiate nicht für eine Täuschungsabsicht spricht. Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten." Die Fehler würden den wissenschaftlichen Gehalt der Doktorarbeit nicht in Frage stellen.

Ergebnisse neu und wissenschaftlich relevant

Auch eine mögliche Verletzung ethischer Regeln in der Behandlung der Probanden in der Studie untersuchte der Senat. Dabei wurden alle Zweifel eindeutig ausgeräumt. Die Studie erfolgte demnach innerhalb der ethischen Normen. Zugleich seien die Ergebnisse der 1990 verfassten Arbeit neu und von wissenschaftlicher Relevanz gewesen.

Die Hochschule hatte die 62-seitige Doktorarbeit ein halbes Jahr lang geprüft. Die Plagiatsjäger von "VroniPlag Wiki" hatten auf 27 Seiten Plagiate entdeckt und das im September 2015 gemeldet. Die CDU-Politikerin stritt die Vorwürfe stets ab, schließlich bat sie ihre frühere Hochschule selbst um eine Überprüfung der Arbeit.

Rücktritte nach Entzug des Titels

Wäre von der Leyen der Titel entzogen worden, wäre auch ihr Ministeramt in Frage gestanden. Kanzlerin Merkels Sprecher Steffen Seibert hatte noch am Mittwoch gesagt, dass man auch ohne Titel "selbstverständlich" an ihr festhalten werde: "Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat." Doch bei ähnlichen Fällen hatte es sehr wohl Rücktritte gegeben.

So trat im Februar 2013 die damalige Familienministerin Annette Schavan (CDU) zurück, nachdem die Uni Düsseldorf ihr den Titel aberkannt hatte. Der Fall, der alles erst ins Rollen brachte, war jener von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Er hatte in seiner Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag" zu großen Teilen plagiiert. Die Uni Bayreuth entzog ihm im Februar 2011 seinen Titel, nach heftiger Kritik trat er im März 2011 schließlich als Minister zurück. 

(eko)

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