Reise nach Jerusalem: Warum FPÖ-Chef Strache um Israel buhlt

FPÖ-Chef Strache brach mit den Vizelandeshauptleuten Haimbuchner und Tschürtz nach Israel auf. Vor einer möglichen Regierungsbeteiligung sollen die Beziehungen zu Israel normalisiert werden.

Heinz-Christian Strache will in Israel eine Gesprächsbasis aufbauen und hat dabei eine mögliche Regierungsbeteiligung der FPÖ im Blick.
Heinz-Christian Strache will in Israel eine Gesprächsbasis aufbauen und hat dabei eine mögliche Regierungsbeteiligung der FPÖ im Blick.
Heinz-Christian Strache will in Israel eine Gesprächsbasis aufbauen und hat dabei eine mögliche Regierungsbeteiligung der FPÖ im Blick. – APA/HERBERT PFARRHOFER

Viel hochrangiger geht es bei den Blauen nicht. FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache ist am Montag mit den Vizelandeshauptleuten Manfred Haimbuchner und Hans Tschürtz nach Israel aufgebrochen. Gemeinsam wollen sie heute Vormittag die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Wie die „Presse“ in israelischen Kreisen erfuhr, flog die Reisegruppe mit einer ElAl-Maschine nach Tel Aviv. Die FPÖ machte zunächst ein großes Geheimnis um den Besuch – aus welchen Gründen auch immer.

David Lasar ist auch Teil der siebenköpfigen Delegation. Der Wiener FPÖ-Stadtrat, Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde, versucht seit Jahren, die Beziehungen seiner Partei zu Israel zu normalisieren. Offiziell haben die Freiheitlichen immer noch Paria-Status. So ist es israelischen Diplomaten nach wie vor untersagt, Kontakte zur FPÖ zu unterhalten. Der Bann geht auf die Ära Haider zurück. Nach der schwarz-blauen Wende im Jahr 2000 hatte Israel sogar vorübergehend seinen Botschafter aus Wien abgezogen. Der Milliardär Martin Schlaff intervenierte bei seinem Freund, dem damaligen Premier Ariel Scharon, um die diplomatischen Wogen wieder zu glätten. Ein Repräsentant Israels kehrte zurück nach Wien, doch die FPÖ blieb tabu.

Das soll sich nun ändern, zumindest wenn es nach der FPÖ geht. Strache will sich in Israel koscher machen. Möglichst rasch, noch vor einer abermaligen Regierungsbeteiligung, die so nahe erscheint wie schon lange nicht. Das Kalkül dahinter: Wenn Israel einen blauen Kanzler akzeptiert, dann werden auch andere Staaten nichts dagegen einwenden.

Peres wird Strache nicht empfangen

Tatsächlich erwägen die Israelis einen Kurswechsel. Doch noch hält die Front. Nach Informationen der „Presse“ suchte Strache auch im Büro des Friedensnobelpreisträgers Schimon Peres um einen Termin an. Der Ex-Präsident fragte seinerseits im israelischen Außenministerium nach, ob er den FPÖ-Chef empfangen solle. Es riet ihm davon ab.

Die israelische Regierung wird ihre Position gegenüber der FPÖ auch von der Einschätzung der jüdischen Gemeinde in Wien abhängig machen. Und die ist in dieser Frage gespalten. Die meisten Nachkommen von Holocaust-Opfern warnen vor den Freiheitlichen, während andere Juden Straches Einschätzung teilen, dass mit den Flüchtlingen ein neuer Antisemitismus ins Land komme.

Rechtsparteien auf Anti-Islam-Kurs

Strache und seine Mitstreiter äußerten sich in den vergangenen Jahren wiederholt pro-israelisch – so wie auch andere rechtspopulistische Parteien innerhalb Europas. Die antisemitische Generation stirbt langsam aus, der radikale Islam ist das neue Feinbild. Den Anfang machte 2003 Gianfranco Finis postfaschistische Alleanza Nazionale, noch deutlicher positionierte sich Geert Wilders niederländische „Partei für die Freiheit“ an der Seite Israels. Auch Marine Le Pens Front National versuchte sich anzudienen, bisher aber ohne Erfolg. Bei Parteien mit staken antisemitischen Wurzeln bleibt der jüdische Staat auf Distanz. Und Israel möchte auch nicht allzu sehr von islamophoben Kräften vereinnahmt werden; schließlich muss es im eigenen Land mit Muslimen auskommen. Ein Fünftel der israelischen Staatsbürger sind Araber.

In der FPÖ ist unklar, ob auch die nationalen Kreise um die Burschenschaften die Pro-Israel-Linie mittragen. Strache hat sie mit ambivalenten Signalen immer wieder zu besänftigen versucht. So trug er 2010, bei seinem ersten Besuch in Yad Vashem, keine Kippa, sondern ein Käppi seiner Burschenschaft. 2012 veröffentlichte er dann eine Karikatur auf seiner Facebook-Seite, die einen dicken Banker mit Hakennase und Davidstern zeigt, der von einem Regierungsbeamten gefüttert wird. Strache behauptete danach, den Davidstern nicht gesehen zu haben: „So viel Intelligenz dürfen Sie mir schon zutrauen“, sagte er damals zur „Presse“.

Vor acht Jahren hatte sich die FPÖ schon einmal erkundigt, wie ein Tauwetter mit Israel zu bewerkstelligen sei. Der damalige israelische Botschafter in Wien ließ ausrichten, Strache solle sich – so wie Gianfranco Fini – in einem Brief eindeutig vom Holocaust und der Nazi-Vergangenheit distanzieren. Tatsächlich ging ein Schreiben in der Botschaft ein. Strache gratulierte darin jedoch lediglich zum 60.Gründungstag Israels.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2016)

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