Irak

"Der IS wird im Irak bald besiegt sein"

Iraks Außenminister Ibrahim al-Jaafari berichtet der "Presse", dass die IS-Jihadisten in Mossul nach wie vor Zivilisten als Schutzschilde missbrauchen. Die Zeit des "Kalifats" sei aber vorüber.

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Iraks Außenminister Ibrahim al-Jaafari. – (c) APA/AFP/JOHN THYS (JOHN THYS)

Wien/Mossul. Es ist ein wichtiger, symbolträchtiger Sieg der irakischen Regierungstruppen über die Jihadisten des sogenannten Islamischen Staates (IS). Nach einer mehr als achtmonatigen Offensive nahmen irakische Einheiten am Donnerstag die Große Moschee von al-Nouri in der Altstadt der einstigen IS-Hochburg Mossul ein. Damit neigt sich die Zeit der Jihadisten im Irak dem Ende zu. Die Regierung in Bagdad feierte den Sieg. Ein irakischer Militärsprecher erklärte, dass das vom IS ausgerufene „Kalifat“ gleichsam zusammengebrochen sei.

„Die al-Nouri-Moschee ist ein sehr wichtiges Symbol für Mossul. Sie liegt im Herzen der Stadt und ist strategisch sehr wichtig“, sagt Iraks Außenminister Ibrahim al-Jaafari im Gespräch mit der „Presse“. Die Moschee liegt in der Altstadt Mossuls, wohin sich der IS zuletzt zurückgezogen hatte. Ihre jüngste Niederlage sei gleichsam der Anfang vom Ende der Extremisten. „Der IS wird im Irak bald besiegt sein“, sagt Jaafari. Wann genau das sein wird, könne man aber noch nicht sagen. Es werde sich aber wohl nur noch um Tage handeln.

Die Strategie des IS, sich mitten in den Wohngebieten zu verschanzen, habe von Anfang an die Offensive gebremst. „Wir dachten ursprünglich, dass es schneller gehen wird“, erklärt der irakische Außenminister. Doch wegen der zahlreichen Zivilisten in Mossul habe es für die irakischen Kräfte Probleme bei ihrem Vormarsch gegeben. „Die IS-Terroristen missbrauchen die Menschen als Schutzschilde. Dadurch hat sich die ganze Operation in die Länge gezogen.“ Der IS habe bei dieser Taktik „großen Einfallsreichtum“ an den Tag gelegt. „Die IS-Terroristen verschanzen sich in den Obergeschossen der Hochhäuser und halten in den Untergeschossen die Menschen gefangen“, sagt Jaafari. „Man muss dann genau überlegen, ob man einen Luftschlag durchführt, damit die Zivilisten dem nicht zum Opfer fallen.“ Wegen der Kämpfe um Mossul sind bereits mehrere hunderttausend Menschen aus der Stadt und ihrer Umgebung geflohen. In Mossul gibt es massive Verwüstungen.
Auch das Minarett der nun von Iraks Armee eingenommenen Moschee liegt in Trümmern. Es wurde bereits vergangene Woche offenbar von einem IS-Sprengkommando zerstört. In der Moschee hatte sich IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 gezeigt – damals, als die Extremisten im Irak und Syrien noch auf dem Vormarsch waren. Baghdadi stellte sich damals seinen Anhängern als selbst ernannter „Kalif“ vor.

Auch in Syrien steht IS unter Druck

Zuletzt gab es neue Gerüchte, dass Baghdadi tot sein könnte. Russland gab bekannt, den IS-Chef bei einem Luftangriff in der Nähe der syrischen IS-Hochburg Raqqa getötet zu haben. So wie im Irak stehen die Jihadisten auch in Syrien gewaltig unter Druck. Kurdische und arabische Milizen rücken in Raqqa vor.

Das gesamte Interview mit Außenminister al-Jaafari lesen Sie in der Samstag-Ausgabe der „Presse“ und auf DiePresse.com

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