Rojda Felat: Die Frau, die den "Islamischen Staat" besiegte

Mit der Operation „Zorn des Euphrat“ fiel die de-facto-Hauptstadt der IS-Schergen. Eine syrische Kurdin war rund ein Jahr lang die Oberkommandierende der Operation.

Die Oberkommandierende Rojda Felat
Die Oberkommandierende Rojda Felat
Die Oberkommandierende Rojda Felat – APA/AFP/BULENT KILIC

Man findet sie sehr oft in kurdischen Reihen: Kämpferinnen. Mit Rojda Felat hat nun eine von ihnen eine große Schlacht gewonnen. Vor einem Jahr ist Felat mit einer Truppe zwischen 10.000 und 15.000 Soldaten Richtung Raqqa gezogen, nun ist die de-facto-Hauptstadt des sogenannten Islamischen Staates endgültig gefallen. Felat hatte den Oberbefehl über die Operation „Der Zorn des Euphrat“.

Die syrische Kurdin hat eigenen Angaben zufolge Erfahrung in mehreren Kämpfen gegen jihadistische Gruppen gesammelt - beispielsweise bei der Schlacht um die nordsyrisch-kurdische Stadt Kobane -, ehe sie Oberkommandierende der Raqqa-Operation wurde.

Von ihrer Biografie ist nicht viel bekannt. Erst vor wenigen Jahren dürfte sich Felat den Frauenverteidigungseinheiten der kurdischen YPG-Miliz angeschlossen haben - die YPG sind eine syrische Schwesternorganisation der PKK. "Innerhalb der YPG gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau", sagte Felat heuer im Sommer der Online-Seite al-Monitor, "beide können Operationen führen." Sie bezeichnet sich als „radikale Feministin“, ihr Kampf im Nahen Osten sei nicht nur militärisch, sondern gelte auch gegen das patriarchalische System. Der Wiederaufbau der syrischen Gesellschaft müsse auf Geschlechtergleichheit basieren, so Felat. Auch die PKK hat viele Frauen in ihren Reihen und mit der ermordeten Sakine Cansiz ein weibliches Gründungsmitglied, gleichzeitig aber wird den Schwesternorganisationen vorgeworfen, ein starr stalinistisches System zu verherrlichen und intern oppressiv-hierarchisch vorzugehen.

Minen und Autobomben

Der Hauptgrund, warum sie an der Spitze der Raqqa-Operation gelandet ist, sei auch darauf zurückzuführen, dass IS-Jihadisten keinesfalls von Frauen getötet werden wollten, meint Felat. Die Operation "Zorn des Euphrat" ist von der Anti-IS-Koalition, angeführt von den USA, mit Luftschlägen begleitet worden. Die Koalition habe die Bodentruppen auch mit Waffen versorgt, sagt Felat.

"Wir sind nur hier, um die Region zu befreien und Unschuldige vom IS zu beschützen", so Felat zu den Vorwürfen, dass kurdische Milizen ihr Territorium erweitern wollen. Nach dem Fall von Raqqa sollen die befreiten Bürger die Administration selbst in die Hand nehmen. Die kurdischen Kämpfer hätten das bislang immer auf diese Weise gehandhabt. Ein großes Problem seien jedenfalls Minen und Autobomben des IS, die es in Raqqa noch gebe. Auch die Versorgung der Zivilisten sei ohne internationale Hilfe kaum zu bewältigen.

Felat, die in ihren 30ern ist, nennt Rosa Luxemburg, die hingerichtete irakische Aktivistin Leyla Qasim sowie die oben erwähnte Sakine Cansiz als ihre Vorbilder - aber auch Feldherren wie Napoleon, Bismarck und den kurdischen Feldherren Saladin aus dem 12. Jahrhundert. Weggefährten zufolge ist sie immer mit ihrer "Garde", bestehend aus zwei Frauen, unterwegs und legt nie ihre Kalaschnikow ab.

 

(duö)

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