Vermisstes argentinisches U-Boot: Papst Franziskus betet für die Crew

Zur San Juan gibt es seit mehreren Tagen keinen Kontakt mehr. Sie war von Feuerland Richtung Buenos Aires unterwegs und hatte bis zu 45 Personen an Bord. Mehrere Staaten, darunter der Erzfeind Großbritannien, haben Argentinien Hilfe angeboten. Mindestens ein US-Flugzeug ist schon im Einsatz.

Die San Juan im Beagle-Kanal in Feuerland
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Die San Juan im Beagle-Kanal in Feuerland
Die San Juan im Beagle-Kanal in Feuerland – Armada Argentina

Die Suche nach jenem argentinischen U-Boot, das seit Mittwoch im Südatlantik vor der Küste Patagoniens verschollen ist, wurde am Samstag ausgeweitet. Abgesehen davon, dass ein erheblicher Teil der argentinischen Marine sowie mehrere Suchflugzeuge das große Seegebiet absuchen, hat sich ein Spezialflugzeug Typ P-3 "Orion" der NASA der Suche angeschlossen; dabei handelt es sich um ein modifiziertes Seeüberwachungs- und U-Boot-Jagd-Flugzeug, das zufälligerweise in Ushuaia, der argentinischen Hauptstadt der Südregion Feuerland (Tierra del Fuego), war, im Zuge von Forschungsflügen über der Antarktis.

Zudem hat die U.S. Navy einen "Poseidon"-Seeaufklärer nach Argentinien entsandt, der in El Salvador stationiert war, um nach auf See operierenden Drogenschmugglern zu suchen. Die Wetterlage war und ist wohl in der grundsätzlich für die Seefahrt immer ungewöhnlich schwierigen Weltgegend freilich extrem übel, die Rede ist von schweren Stürmen und bis zu sechs Metern (!) Wellengang.

Mehrere Staaten haben der Regierung von Präsident Mauricio Macri in Buenos Aires Schiffe und Suchflugzeuge angeboten, darunter Uruguay, Brasilien, Chile, Südafrika, sogar der Erzfeind Großbritannien: Die Briten haben auf den Falklandinseln (Islas Malvinas), ihrer Besitzung im Südatlantik mit etwa 3400 Einwohnern, mehrere Kampfflugzeuge, mindestens ein "Hercules"-Transportflugzeug sowie in der Regel zwei Kriegsschiffe stationiert, zumal sich gerüchtehalber meist auch ein atombetriebenes U-Boot der Royal Navy im Südatlantik aufhält.

Hilfe vom Erzfeind

Großbritannien hatte die Inseln 1833 entgegen argentinischer Besitzansprüche besetzt. im April 1982 eroberten argentinische Truppen den Archipel mit dem Hauptort Stanley im Handstreich, unterlagen aber wenige Monate später einer britischen Gegenoffensive.

Am Samstagabend hieß es tatsächlich, dass HMS "Protector", ein auf den Falklands stationiertes britisches Antarktis-Patrouillenschiff, unmittelbar vor dem Eintreffen in der Suchregion stehe.

Papst Franziskus, selbst ein Argentinier, hat am Samstag in einer Botschaft die "geistige Nähe" zur vermissten Mannschaft der San Juan und ihrer Familien ausgedrückt. Er vertraue sie der "mütterlichen Anteilnahme der Gottesmutter Maria an", hieß es.

Bis zu 45 Mann an Bord

Das verschollene U-Boot, die ARA "San Juan" hatte demnach vor Ushuaia nahe der Südspitze Südamerikas abgelegt und als Ziel den Kriegshafen Mar del Plata in der Provinz Buenos Aires. An Bord sind unterschiedlichen Angaben zufolge 25 bis 45 Mann Besatzung inklusive Passagieren.

Ersten Angaben seitens der Armada Argentina zufolge seien auf der San Juan Batterien des dieselelektrischen Antriebs in Brand geraten (das wurde aber später dementiert). Das U-Boot könne aber mehrere Tage ohne Batterien auskommen oder sowieso aufgetaucht bzw. mit Schnorchel mit dem Dieselantrieb fahren, sagte ein Marinesprecher. Allerdings hatte die Suchaktion mit Schiffen und Flugzeugen vor Patagonien bis Samstagnachmittag keinen Erfolg.

Der letzte Funkkontakt mit dem Boot sei auf einer Position kräftige 430 Kilometer vor der Küste auf Höhe des Golfs von San Jorge erfolgt. Möglicherweise sei auch die Funkanlage beschädigt.

Die San Juan ist eines von derzeit drei U-Booten der Argentinier und war schon 1987 in Dienst gestellt worden. Sie wurde in Deutschland von den Nordseewerken in Emden als eines der Boote der "TR-1700"-Klasse gebaut, die für den Export konzipiert war, aber kaum Erfolg hatte. Letztlich wurden nur zwei von sechs avisierten Booten fertig und an Argentinien geliefert, das zweite Boot dieser Klasse dort heißt "Santa Cruz".

Deutsches U-Boot

Die 65 Meter langen Boote sind mit 25 Knoten (46 km/h) Geschwindigkeit getaucht ziemlich schnell und haben mit vier Dieselmotoren, einem Elektromotor von Siemens und dem Batteriensatz eine Reichweite von angeblich 22.000 Kilometern. Bewaffnet sind sie klassisch mit Torpedos Kaliber 533 Millimeter, namentlich 22 Stück, die durch sechs Bugrohre verschossen werden. Allerdings sind die Boote eingermaßen veraltet und in zweifelhaftem Zustand, zumal sie Informationen aus Marinekreisen zufolge pro Jahr nur einen kleinen Bruchteil ihrer für einen ordentlichen Betrieb und die Ausbildung der Crew nötigen Stundenzahl unterwegs sind.

Die San Juan 1985 kurz vor ihrer Indienststellung
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Die San Juan 1985 kurz vor ihrer Indienststellung
Die San Juan 1985 kurz vor ihrer Indienststellung – Télam

Argentinischer U-Boot-Einsatz im Krieg

Argentinien ist übrigens eines der wenigen Länder seit dem Zweiten Weltkrieg, das U-Boote in einem Krieg einsetzte. Im Falklandkrieg 1982 mit Großbritannien um britische Inselgruppe vor Patagonien landete die ARA "Santa Fe", ein uraltes, 1944 in den USA gebautes Boot der "Balao"-Klasse, Anfang April Kampftaucher auf den Falklands an und brachte wenig später eine Truppe Marineinfanterie nach Südgeorgien - eine vergletscherte Insel vor dem antarktischen Kontinent mit einer winzigen britischen Zivil-Basis namens Grytviken dort, wo eine Handvoll Menschen, meist Wissenschaftler, leben bzw. lebten. Damals waren dort gerade aber auch 22 Royal Marines, die angesichts stärkerer argentinischer Landetruppen nach einem kurzen, aber heftigen Gefecht aufgaben.

Ende April tauchten vier britische Schiffe auf, einer ihrer Hubschrauber machte die Santa Fe aufgetaucht vor Grytviken aus. Sie wurde von abgeworfenen Wasserbomben schwer beschädigt und hielt auf Kurs Richtung Strand, wobei sie von weiteren Hubschraubern mit MG-Feuer und einer kleinen Kurzstrecken-Seezielrakete (französischer Typ AS.12) getroffen wurde. Letztlich brachte der Captain sie gerade noch zum Strand, ließ sie auflaufen und schaffte die etwa 85 Insassen allesamt lebend ins (eiskalte) Freie.

Künstlerische Darstellung des Beschusses der Santa fe durch englische Hubschrauber vor Grytviken (South Georgia)
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Künstlerische Darstellung des Beschusses der Santa fe durch englische Hubschrauber vor Grytviken (South Georgia)
Künstlerische Darstellung des Beschusses der Santa fe durch englische Hubschrauber vor Grytviken (South Georgia) – weaponsandwarfare.files.wordpress.com

Kurz darauf eroberten britische Marines und SAS-Männer Südgeorgien zurück. Die Santa Fe ließ man liegen, zog sie aber 1985 weiter hinaus ins Meer und versenkte sie; sie liegt jetzt in etwa 200 Metern Tiefe.

Die schwer beschädigte Santa Fe in der Bucht vor Grytviken
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Die schwer beschädigte Santa Fe in der Bucht vor Grytviken
Die schwer beschädigte Santa Fe in der Bucht vor Grytviken – Royal Navy

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