Angst vor Kollaps: Saudi-Arabien zahlt Milliarden an Jemen

Riad will das krisengeschüttelte Bürgerkriegsland vor dem finanziellen Kollaps bewahren. In dem Konflikt sind bisher 10.000 Menschen gestorben.

Anhänger der Houthi-Bewegung.
Anhänger der Houthi-Bewegung.
Anhänger der Houthi-Bewegung. – REUTERS/Khaled Abdullah

Saudi-Arabien zahlt zwei Milliarden US-Dollar (1,64 Milliarden Euro) an den Jemen, um das krisengeschüttelte Bürgerkriegsland vor einem finanziellen Kollaps zu bewahren. Der saudische König Salman ordnete die Überweisung der Summe an die jemenitische Zentralbank zur Stützung der Landeswährung an, teilte das Informationsministerium am Mittwoch mit.

Für die Krise macht Saudi-Arabien die schiitischen Houthi-Rebellen im Jemen verantwortlich. Riad unterstützt die Regierung des Landes und fliegt an der Spitze einer Militärkoalition selbst seit knapp drei Jahren schwere Luftangriffe auf die Houthis und zerstörte damit auch weite Teile der Infrastruktur. Viele Experten sehen in der Regionalmacht deshalb den Hauptschuldigen für die Eskalation des Konflikts. Eine Reihe von Hilfsorganisationen forderte indes von Saudi-Arabien freien Zugang für humanitäre Lieferungen.

Die Vereinten Nationen hatten die humanitäre Krise im Jemen als die schwerste der Gegenwart bezeichnet. In dem Krieg starben bisher mehr als 10.000 Zivilisten. Mehr als 22 Millionen der 28 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen. Hunderttausende sind akut vom Hungertod bedroht. Die Zahl der Fälle bei einem Cholera-Ausbruch erreichte die Millionenmarke.

NGO fordern Öffnung für Hilfsgüter

Die jemenitische Regierung hatte am Dienstag öffentlich um Hilfe gebeten, um den Kollaps des Rial zu vermeiden. Die Währung hatte seit Kriegseintritt Saudi-Arabiens deutlich an Wert verloren. Mit dem frischen Geld solle die "sich verschlechternde wirtschaftliche Lage des jemenitischen Volkes" gelindert werden, hieß es in der saudischen Stellungnahme. Wann das Geld übergeben werde, war zunächst unklar.

Angesichts des "dramatischen Versorgungsnotstandes" nach der Blockade des wichtigsten Hafens im Norden forderten 17 Hilfsorganisationen am Mittwoch die vollständige Öffnung des Seehafens von Hudaida am Roten Meer. "Der Güterfluss muss dringend ausgeweitet und verbessert werden, um Hunger und Krankheiten im ganzen Land einzudämmen", hieß es in der Mitteilung unter anderem von Care International, Oxfam und Save the Children.

Das saudische Bündnis hatte im November den von den Houthis kontrollierten Norden des Landes komplett von Hilfslieferungen abgeschottet, nachdem die Aufständischen eine Rakete in Richtung Riad abgefeuert hatten. Eine Aussetzung der Blockade für 30 Tage läuft am Samstag aus.

Houthi-Rebellen feuern Raketen nach Saudi-Arabien

In der Zwischenzeit hat Saudi-Arabien erneut eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete abgefangen. Die Luftabwehr habe das Geschoß am Dienstagabend über der Stadt Jizan nahe der Grenze zum Jemen "abgefangen und zerstört", erklärte die von Riad angeführte Militärkoalition.

Die schiitischen Houthi-Rebellen im Jemen erklärten in ihrem Sender Al-Massira, die Rakete sei auf einen Flughafen bei Jizan abgeschossen worden und habe "ihr Ziel erreicht". Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition beschuldigte erneut den Iran. Mit seiner Unterstützung für die Aufständischen verstoße der Iran "klar und eindeutig" gegen UNO-Resolutionen, sagte ein Sprecher der Militärkoalition. Der Iran bestreitet eine militärische Unterstützung und Waffenlieferungen an die Aufständischen im Jemen.

Die Houthi-Rebellen meldeten am Mittwoch noch den Abschuss einer zweiten Rakete auf einen Militärstützpunkt in der saudi-arabischen Region Najran. Riad äußerte sich dazu zunächst nicht.

(APA/dpa/AFP)

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