USA: Ein Nachwahldebakel für die Präsidentenpartei

Republikanische Schlappe im „Rostgürtel“: Der US-Demokrat Lamb bleibt auch nach Auszählung aller Briefwahlstimmen vorn.

Conor Lamb.
Conor Lamb.
Conor Lamb. – (c) imago/UPI Photo (PAT BENIC)

Wien/Pittsburgh. Es ist für die US-Demokraten ein Ergebnis von enormer Symbolkraft: In Pennsylvania hat ihr Kandidat Conor Lamb bei einer Kongress-Nachwahl auch nach der Auszählung aller Briefwahlstimmen seinen hauchdünnen Vorsprung behalten.

Berichten des Senders NBC und lokaler Medien zufolge war er nicht mehr einholbar, das Ergebnis wurde am Mittwoch, dem Tag nach der Wahl, aber zunächst nicht offiziell verkündet. Für die Republikaner von Präsident Donald Trump ist das eine schmerzhafte Niederlage.

Der Staatsanwalt und Ex-Marine Lamb hatte in „Trump Country“, den Vorstädten im „Rostgürtel“ um Pittsburgh, lag nach der Auszählung von rund 228 000 Stimmen mit dem minimalen Abstand von 627 vorn. Auf Lamb entfielen nach Angaben der "New York Times" 49,8 Prozent, auf seinen republikanischen Konkurrenten Rick Saccone 49,6 Prozent. Lamb hatte sich nach dem äußerst knappen Rennen bereits am Morgen zum Sieger erklärt. "Wir haben es geschafft", sagte er TV-Sendern.

 

Donald Trump hatte bei der Präsidentenwahl 2016 hier mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten gewonnen, und bei den vergangenen beiden Kongresswahlen war nicht einmal ein demokratischer Kandidat angetreten. Im Revier der geschlossenen Kohleminen und der Stahlzechen hat der Präsident am Wochenende zudem sein Versprechen von Strafzöllen für Aluminium- und Stahlimporte bekräftigt.

Es ist eine der Hochburgen des Trump'schen Credos „Make America Great Again“ – und just hier erlitten die Republikaner den zweiten herben Rückschlag nach der Senatsnachwahl im Dezember in Alabama, dem Debakel des umstrittenen ultrakonservativen Richters Roy Moore. Für die Kongresswahl im November hält das Ergebnis eine ermutigende Lektion für die Demokraten bereit: Mit moderaten Positionen können sie den Republikanern die Mehrheit im Kongress abjagen.

Die „Grand Old Party“ hatte bei der durch den Rücktritt eines republikanischen Abgeordneten erzwungenen Nachwahl für einen Sieg alles mobilisiert und mehr als zehn Millionen Dollar in die Kampagne investiert. Bei den Demokraten warf sich dagegen nur Ex-Vizepräsident Joe Biden für Lamb in die Wahlschlacht – ein Indiz dafür, dass der bei der Arbeiterschicht beliebte Biden als großer Favorit des demokratischen Bewerberfelds gilt. (vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      USA: Ein Nachwahldebakel für die Präsidentenpartei

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.