Bashar al-Assad: Der Überlebenskünstler in Damaskus

Der syrische Machthaber Assad lässt sich nach den begrenzten Luftangriffen der westlichen Allianz von seinen Anhängern feiern. Er hält an seinem Vorhaben fest, das Land mit Gewalt unter seine Kontrolle zu bringen.

Syria's President Bashar al-Assad speaks during an interview with Australia's SBS News channel in this handout picture provided by SANA
Syria's President Bashar al-Assad speaks during an interview with Australia's SBS News channel in this handout picture provided by SANA
Der syrische Machthaber Bashar al-Assad. – REUTERS

Explosionen rissen die Bewohner von Damaskus am frühen Morgen aus dem Schlaf. Viele rannten auf ihre Balkone, andere kletterten auf die Dächer, um das nächtliche Spektakel besser beobachten zu können. Lichtblitze standen am Himmel, gefolgt von dumpfen Erschütterungen. Im Norden und Osten der syrischen Hauptstadt markierten dichte, schwarze Rauchwolken die Einschlagsorte. „Es war Chaos pur über unseren Köpfen“, beschrieb ein Bewohner seine Erlebnisse gegenüber dem britischen Sender BBC. 45 Minuten dauerte das Bombardement durch amerikanische, französische und britische Marschflugkörper.

Schon wenig später kreisten lärmende Autokorsos mit syrischen Fahnen durch die Straßen, ließen Bewohner die Armee und Bashar al-Assad hochleben. „Bashar, wir folgen deinen Befehlen. Und wenn die Welt in Flammen aufgeht“, skandierten einige aus der Menge.

Syriens Machthaber inszenierte sich als Überlebenskünstler: Das Präsidialamt verbreitete über Twitter ein kurzes Video unter dem Titel „Der Morgen der Unerschütterlichkeit“, auf dem der Diktator demonstrativ mit Akten unter dem Arm durch die prächtigen Marmorhallen zu seinem persönlichen Büro schlendert. Wann genau die Bilder aufgenommen worden sind, ist freilich unklar.

 

Nach Angaben des Pentagon nahmen die westlichen Angreifer mehrere Ziele unter Feuer, darunter ein chemisches Forschungsinstitut in Damaskus. Nahe der Stadt Homs traf es zwei Militäreinrichtungen, in denen Chemikalien zur Giftgasproduktion lagern sollen. Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden auch Kasernen der Republikanischen Garden und der berüchtigten Vierten Division, der Eliteeinheit unter dem Kommando von Assad-Bruder Maher, getroffen. Russische Standorte dagegen blieben ausgespart, syrische Zivilisten kamen nach ersten Informationen nicht ums Leben.

Angst unter der Bevölkerung

Zwar ist die Zahl der abgefeuerten Raketen diesmal offenbar doppelt so groß wie bei dem US-Luftschlag nach einem Giftgasangriff vor einem Jahr. Aber auch die neuerliche westliche Attacke am Samstag dürfte das Regime in Damaskus nicht sonderlich beeindrucken oder gar seine Entschlossenheit bremsen, ganz Syrien mit allen Mitteln wieder in seine Gewalt zu bringen.

Angst und Schrecken in der Zivilbevölkerung sollen dabei Druck auf die bewaffneten Gruppen ausüben, zu den Bedingungen Assads zu kapitulieren. So auch vergangene Woche in Ost-Ghouta bei Damaskus: Stunden nach dem Giftgaseinsatz willigte die kampfstarke Jaish al-Islam in Duma in ihren Abzug ein, sodass das Regime einen verlustreichen Häuserkampf vermeiden konnte. Mit Bussen wurden die Jihadisten und ihre Angehörigen nach Nordsyrien gebracht. Ende der vergangenen Woche gaben die letzten der Kämpfer ihre schweren Waffen ab. Seitdem patrouilliert die russische Militärpolizei durch die einstige Rebellenhochburg, die seit 2013 in der Hand der Aufständischen war.

Für den syrischen Diktator ist die Rückeroberung von Ost-Ghouta ein ähnlich spektakulärer Machterfolg wie ein Jahr zuvor der Sieg über die Rebellen in Ost-Aleppo.

Denn damit kontrolliert Bashar al-Assad jetzt nahezu das gesamte Staatsgebiet und muss keinen nennenswerten militärischen Widerstand der Aufständischen mehr fürchten, die neben wenigen Mini-Enklaven nur noch die Nordprovinz Idlib beherrschen.

Kein Platz für Regimegegner. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Machthaber ein Nachkriegssyrien planen, in dem Millionen von Regimegegnern, die sich momentan als Flüchtlinge außerhalb ihrer Heimat aufhalten, keinen Platz mehr haben sollen.

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