Steigende Asylzahlen: Bosnien fordert internationale Hilfe

Die bosnische Regierung fordert wegen steigender Flüchtlingszahlen mehr internationale Mittel. Im Nachbarland Serbien sinken die Neuankünfte. Verlagert sich die Fluchtroute?

BOSNIA-EUROPE-MIGRANTS
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APA/AFP/ELVIS BARUKCIC

Die Flüchtlingsroute, die über Bosnien führt, sei vor allem seit Anfang Mai "interessanter" geworden, behauptet die bosnische Regierung. Mehr als 100 Migranten kämen derzeit täglich in das Land am Balkan. Seit Jahresbeginn seien rund 3.000 illegal eingereiste Menschen registriert worden.

Grund genug für die bosnische Regierung, mehr internationale Hilfe zu fordern. "Wir erwarten fachliche, technische und vor allem finanzielle Hilfe für den Ausbau von Unterkünften, Gesundheitsschutz und Ausbildungsmöglichkeiten", betonte Ministerpräsident Denis Zvizdic. Er kündigte an, noch am Dienstag einen entsprechenden Aktionsplan vorzustellen.

Man könne nicht von einer Krise sprechen, die Lage könnte aber kritisch werden, warnte Neven Crvenkovic, ein Sprecher des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR). Demnach haben heuer bisher 400 Personen um Asyl in Bosnien angesucht.

Kritik an "mangelnder systematischer Reaktion" Bosniens

Es gibt auch Kritik am bosnischen Umgang mit Flüchtlingen. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief an Regierungsmitglieder zeigt sich Dunja Mijatovic, Menschenrechtskommissarin dies Europarats, entsetzt darüber, dass viele Flüchtlinge, vor allem Familien mit Kindern, derzeit unter freiem Himmel schlafen müssten und nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt seien. Dies sei auf die "mangelnde systematische Reaktion" der bosnischen Behörden zurückzuführen.

Mijatovic kritisierte den "Aktionsplan für Notsituationen", den die bosnische Regierung 2015 in Bezug auf Migration erstellt hatte. Dieser gehe jedoch davon aus, dass Bosnien ein Transitland für die Flüchtlinge sei. Die Situation habe sich aber geändert, betonte Mijatovic. Inzwischen gebe es eine wachsende Zahl von Flüchtenden, die aus Kroatien nach Bosnien abgeschoben würden. Viele dieser zurückgeschobenen Migranten würden längerfristig in Bosnien bleiben wollen.

Serbien: Niedrigste Zahl von Ankünften seit 2015

Während Bosnien mit einer zunehmenden Zahl ankommender Flüchtlinge zu tun hat, zeigt sich im Nachbarland Serbien ein gänzlich anderes Bild. Die Anzahl ankommender Migranten ist in Serbien auf dem niedrigsten Stand seit dem Beginn der "Flüchtlingskrise" vor gut drei Jahren. Nach Angaben des serbischen Innenministers Nebojsa Stefanovic halten sich derzeit nur rund 2900 Migranten im Land auf.

Täglich würde nur eine geringe Zahl von Personen illegal einreisen, präzisierte Stefanovic. Serbien sei also nicht mehr mit dem Problem zunehmender Flüchtlingszahlen konfrontiert. Die Hauptfluchtroute könnte sich demnach geändert haben. Stefanovic betonte, die Situation jedoch aufmerksam zu verfolgen. Serbien hatte Anfang April nach knapp zwei Jahren das Militär von den Grenzen zu Bulgarien und Mazedonien zurückgezogen, nachdem kaum noch Flüchtlinge eingetroffen waren.

(APA)

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