Salvini urlaubt an der Adria: "Küsse nach Mallorca"

Der Inselrat Mallorcas hatte Salvini zur "unerwünschten Person" erklärt. In Italien gerät der Innenminister wegen mehrerer rassistischer Gewalttaten im Land in die Kritik.

Matteo Salvini wird in Milano Marittima um Selfies gebeten.
Matteo Salvini wird in Milano Marittima um Selfies gebeten.
Matteo Salvini wird in Milano Marittima um Selfies gebeten. – (c) Facebook/Matteo Salvini

Nachdem der italienische Innenminister Matteo Salvini vom Inselrat der spanischen Insel Mallorca wegen seiner Migrationspolitik zur "unerwünschten Person" erklärt worden ist, urlaubt der Chef der rechten Lega an der Adria. Der Innenminister und Vizepremier postete am Montag ein Selfie an Bord eines Bootes in der norditalienischen Adria-Badeortschaft Milano Marittima.

"Meer, Sonne, Stille, Freunde, zwei Bier, Natur und einige Stunden relaxen. Es lebe das Fischen in Romagna. Küsse nach Mallorca", schrieb Salvini auf Facebook. Der Innenminister urlaubt seit dem Wochenende mit seinem Sohn in Milano Marittima.

Salvini hat sich auf seiner Facebook-Seite auch bei der FPÖ Oberösterreich die Einladung nach Wels bedankt. "Ich danke den österreichischen Freunden", so Salvini, der ein Foto einer FPÖ-Versammlung mit Vizekanzler Heinz Christian Strache postete.

Die FPÖ hatte den Politiker der rechten Lega am Wochenende "ausdrücklich nach Oberösterreich und Wels" eingeladen. In einer gemeinsamen Aussendung kritisieren der FPÖ-Landesparteichef LHStv. Manfred Haimbuchner und der Welser FPÖ-Bürgermeister Andreas Rabl nun die Entscheidung des Inselrats Mallorcas "als unangebracht und unverhältnismäßig". Salvini habe "in Europa einen Nachdenkprozess in der Einwanderungspolitik bewirkt und mitgeholfen, einen ungeregelten Zuzug nach Europa zu verhindern". SPÖ und Liste Pilz kritisierten die Einladung scharf.

Salvini unter Druck

Nach mehreren Angriffen auf Afrikaner ist der Salvini innenpolitisch stark unter Druck geraten. Für einen Eklat sorgte am Sonntag der Fall eines Marokkaners, der in der Kleinstadt Aprilia von zwei Italienern totgeprügelt worden sein soll. Er war angeblich beim Versuch ertappt worden, ein Auto zu stehlen, berichteten italienische Medien.

Die beiden Männer gingen auf den Marokkaner los, verprügelten ihn und ließen ihn tot auf der Straße liegen. Die Täter flüchteten, konnten jedoch nach wenigen Stunden mithilfe einer Videoüberwachungsanlage identifiziert werden.

Am Sonntag wurde von der Polizei ein Italiener festgenommen, der vor vier Tagen einen 19-jährigen Senegalesen in Partinico nahe Palermo geschlagen und beschimpft hatte, während dieser als Kellner in einem Lokal arbeitete.

Athletin mit Eiern beworfen

In der Nacht auf Montag wurde die italienische Athletin Daisy Osakue in Moncalieri in der norditalienischen Region Piemont angegriffen. Die Diskuswerferin mit nigerianischen Wurzeln wurde von einem vorbeifahrenden Auto von Unbekannten mit Eiern beworfen. Sie wurde an einem Auge verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei ermittelt in dem Fall.

"Es besteht Gefahr, dass die Athletin nicht an der Europameisterschaft in Berlin teilnehmen kann. Die Verantwortung der Regierung und vor allem Salvinis in dieser Serie von Gewaltfällen ist offensichtlich. Schluss mit Rassismus", schrieb die sozialdemokratische Abgeordnete Chiara Gribuado.

Am 11. Juli war eine Gruppe von Nigerianern, die in der Stadt Latina südlich von Rom auf einen Bus wartete, von Unbekannten in einem vorbeifahrenden Auto mit einer Luftdruckpistole angeschossen worden. Zwei Nigerianer wurden verletzt.

Roma-Mädchen verletzt

Vergangene Woche hatte Staatspräsident Sergio Mattarella die Verletzung eines einjährigen Roma-Mädchens durch einen Römer verurteilt. Der Mann hatte vom Balkon seiner Wohnung aus mit einer Luftdruckpistole das Kind getroffen und es lebensbedrohlich verletzt. "Italien darf nicht zum Wilden Westen werden, wo sich jemand ein Gewehr kauft und auf ein einjähriges Kind feuert, ihm dabei die Gesundheit und die Zukunft ruiniert. Dies ist eine Barbarei und muss Empörung auslösen", sagte Mattarella.

Auch die Opposition zeigt sich alarmiert: "Überall in Italien mehren sich rassistische Vorfälle, doch Innenminister Matteo Salvini leugnet das", kommentierte Sozialdemokraten-Chef Maurizio Martina. "Die Regierung darf das Phänomen Rassismus nicht ignorieren. Wir müssen menschlich bleiben", so Ex-Premier Matteo Renzi auf Twitter.

Der Innenminister und Vizepremier Salvini verteidigte seine Politik. "Angreifen und schlagen ist ein Verbrechen, dieses Verhalten muss bestraft werden. Die Italiener und die Regierung wegen einiger beschränkter Vorfälle des Rassismus zu bezichtigen, ist jedoch verrückt. Täglich begehen Ausländer in Italien circa 700 Verbrechen pro Tag, das sind fast ein Drittel aller Delikte", kommentierte Salvini.

Rückendeckung erhielt der Innenminister von seinem Regierungskollegen Luigi Di Maio, Arbeitsminister und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung. "Es besteht keinerlei Rassismus-Alarm in Italien. Dieses Argument wird von der Linken genutzt, um Salvini zu attackieren", kommentierte Di Maio.

Dass Salvini in Italien weiterhin große Unterstützung genießt, zeigt ein weiteres Video aus dessen Adria-Urlaub, in dem sich Badegäste im Meer um ihn drängen, um ein Selfie mit dem Minister zu bekommen. Das Video wurde ebenfalls von Salvini auf seiner Seite gepostet.

(APA)

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