Neues Woodward-Buch zeichnet verheerendes Bild von Trumps Weißem Haus

Erste Auszüge aus dem neuen Buch des Pulitzer-Preisträgers Bob Woodward über Donald Trump liegen vor. Er schreibt von beängstigenden Zuständen im Weißen Haus. Stabschef John Kelly habe über Trump gesagt: "Er ist ein Idiot".

Archivbild: Donald Trumpim Oval Office
Archivbild: Donald Trumpim Oval Office
Archivbild: Donald Trumpim Oval Office – REUTERS

Ein neues Enthüllungsbuch über das Weiße Haus charakterisiert US-Präsident Donald Trump als wütenden, paranoiden Ignoranten. In seinem Buch "Fear: Trump in the White House" (Angst: Trump im Weißen Haus) beschreibt Autor und Pulitzer-Preisträger Bob Woodward in Anekdoten, wie die Mitarbeiter des Präsidenten ständig versuchen, ihren Chef unter Kontrolle zu bringen und seine Anweisungen missachten.

Das berichtete die "Washington Post", die vorab eine Kopie des Buches erhalten hatte, am Dienstag. Demnach schreibt der altgediente US-Chronist Woodward, wie Trump seine Mitarbeiter ständig zu Aktionen drängt, die schwere Konflikte zur Folge hätten - so dass sie sich gezwungen sähen, seine Anweisungen zu ignorieren. Das Weiße Haus befinde sich ständig im Zustand eines "Nervenzusammenbruchs".

Berater ignorieren den Präsidenten

In einer Anekdote fragte der US-Präsident im Jänner seinen Nationalen Sicherheitsrat, warum sich die USA eine teure Militärpräsenz auf der koreanischen Halbinsel leisten würden. "Wir machen das, um den Dritten Weltkrieg zu vermeiden", klärte ihn Verteidigungsminister Jim Mattis daraufhin auf. Laut Woodward sagte Mattis nach dem Treffen, Trump habe den Verstand "eines Fünft- oder Sechstklässlers".

Mehrfach habe Mattis Trump demnach belehrt oder Anweisungen des Präsidenten ignoriert, etwa, den Wunsch, den syrischen Diktator Bashar al-Assad zu töten. "Lasst uns Assad verdammt nochmal töten. Lasst uns ganz viele von denen töten", soll Trump in einem Telefonat gerufen haben. Mattis legte auf und sagte zu seinen Mitarbeitern: "Das machen wir nicht."

Doch laut Woodward ignorieren Trumps Berater nicht nur seine Anweisungen, sondern sabotieren sie zum Teil auch. So berichtet der Autor vom Wirtschaftsberater Gary Cohn, der im vergangenen Jahr eine Anweisung vom Schreibtisch des Präsidenten verschwinden ließ. Hätte Trump sie unterschrieben, wäre das Handelsabkommen der USA mit Südkorea aufgelöst gewesen.

"Er ist außer Kontrolle"

Woodward nennt in seinem Buch keine Quellen, scheint aber offenbar Zugang zu einigen Eingeweihten im Weißen Haus gehabt zu haben. Demnach haben einige Kabinettsmitglieder für ihren Chef nur Verachtung übrig. Stabschef John Kelly habe Kollegen gegenüber Trump als "Idioten" bezeichnet. "Ich weiß noch nicht einmal, warum wir alle hier sind. Das ist der schlimmste Job, den ich jemals hatte", fügte Kelly hinzu. Kelly soll zudem Trump vor Mitarbeitern als "verwirrt" bezeichnet haben: "Es ist sinnlos, zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist außer Kontrolle. Es ist der Wahnsinn."

Besonders delikat ist die Geschichte über Trumps ehemaligen Anwalt John Dowd, der dem Präsidenten nach einem Testverhör dringend davon abrät, in der Russland-Untersuchung von FBI-Sonderermittler Robert Mueller auszusagen. "Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und ihn als Idioten dastehen lassen", sagte der Anwalt demnach als Begründung.

Autor Woodward und sein Reporter-Kollege Carl Bernstein hatten mit ihren Enthüllungen in der Watergate-Affäre 1974 zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon beigetragen. Woodward veröffentlichte seitdem wirkmächtige und oft peinliche Enthüllungsbücher über die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama.

Weißes Haus: "Lügengeschichten"

Das Weiße Haus wies die Darstellungen Woodwards scharf zurück. Das Buch enthalte nichts anderes als "Lügengeschichten, viele davon von verärgerten früheren Mitarbeitern", teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders am Dienstag mit.

Trumps Stabschef Kelly wies besonders die Darstellung Woodwards zurück, wonach er - Kelly - Trump als "Idioten" bezeichnet habe. "Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, die Menschen zu beschmutzen, die Präsident Trump nahestehen, und von den vielen Erfolgen der Regierung abzulenken."

Die "Washington Post" veröffentlichte auch einen Mitschnitt und ein Transkript eines Telefonats Trumps mit Woodward nach Abschluss des Buch-Manuskripts. Woodward hatte sich zuvor um ein Interview mit Trump bemüht, das aber nicht zustande kam. Trump sagte in dem Telefonat, niemand habe ihn darüber informiert.

Der Präsident äußert in dem Gespräch bereits die Erwartung, dass das Buch negativ ausfällt, versucht aber, das als belanglos abzutun. "Also habe ich ein weiteres schlechtes Buch, das rauskommt. Große Sache." Woodwards Buch erscheint am 11. September im Verlag Simon & Schuster. Der Verlag teilte mit, der Autor decke "das erschütternde Leben im Inneren von Präsident Donald Trumps Weißem Haus" auf.

(APA/dpa)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Neues Woodward-Buch zeichnet verheerendes Bild von Trumps Weißem Haus

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.