Russland: Freundschaftsmanöver mit China

Die Präsidenten Chinas und Russlands eröffneten ein Wirtschaftsforum im Fernen Osten. Ebendort begann auch eine Militärübung mit chinesischer Schützenhilfe.

RUSSIA-CHINA-Chinas Präsident Xi Jinping und sein russischer Kollege Wladimir Putin trafen einander bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok.
RUSSIA-CHINA-Chinas Präsident Xi Jinping und sein russischer Kollege Wladimir Putin trafen einander bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok.
RUSSIA-CHINA-Chinas Präsident Xi Jinping und sein russischer Kollege Wladimir Putin trafen einander bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok. – (c) APA/AFP/POOL/SERGEI CHIRIKOV

Moskau. Der russische Ferne Osten war am Dienstag Schauplatz der sich intensivierenden Bande zwischen Moskau und Peking. Und zwar gleich in mehrerlei Hinsicht.

Chinas Präsident Xi Jinping und sein russischer Kollege Wladimir Putin trafen einander bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok, wo zahlreiche Memoranden über wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit unterzeichnet wurden. Xi rief Moskau dazu auf, ein Zeichen gegen Protektionismus zu setzen – eine Aussage, die zweifellos an US-Präsident Donald Trump gerichtet war, einem der äußeren Motoren für das freundschaftliche Klima zwischen beiden Staaten. Putin lobte das Vertrauen zwischen Moskau und Peking – von Wirtschafts- bis Verteidigungsagenden.

Nicht nur politisch sind sich Moskau und Peking in vielem einig. Auch militärisch setzt man ein gemeinsames Zeichen. Am Dienstag begann ebenfalls im Fernen Osten das Militärmanöver „Wostok 2018“, das laut dem Moskauer Verteidigungsministerium das größte seit 1981 sein soll. Rund 300.000 Soldaten sollen daran teilnehmen, das Szenario lautet: Verteidigung im Falle eines Großangriffs. Unabhängige Experten äußerten Zweifel an der kolportierten hohen Teilnehmerzahl.

China, das mit Russland eine mehr als 4200 Kilometer lange Grenze verbindet, ist mit 3200 Soldaten dabei. Ein mongolisches Kontingent beteiligt sich ebenfalls.

 

Potenzieller Freund und Feind

Mit der Truppen-Einbeziehung Chinas verfolgt Moskau zweierlei. Einerseits beugt man einem möglichen Bedrohungsgefühl beim Nachbarn vor. Zweitens wolle Moskau gegenüber der Nato signalisieren, dass man Peking als potenziellen Verbündeten sehe und die USA als potenziellen Feind, schrieb der Politikexperte Dmitrij Trenin, Leiter des Moskauer Carnegie-Zentrums.

Gleichwohl: Nicht alles ist eitel Wonne zwischen Moskau und Peking: Während Russland die Ausdehnung des chinesischen Einflusses in seinem dünn besiedelten Osten fürchtet, machte die russische Annexion der Krim Chinas Führung nervös.

Nach offiziellen Angaben nehmen 36.000 Militärfahrzeuge und Panzer, tausend Flugzeuge und 80 Kriegsschiffe an der Übung teil. Bei dem Manöver, dessen Höhepunkt am Donnerstag erwartet wird und das bis nächsten Montag dauert, sollen die Soldaten nach den Worten von Verteidigungsminister Sergej Schoigu unter Bedingungen eingesetzt werden, „die so genau wie möglich einem echten Kampf ähneln“. Auch Präsident Putin wird vor Ort erwartet.

Die russische Armee kann bei der Übung – öffentlichkeitswirksam für das heimische Publikum vor den TV-Geräten – ihres neuesten Anschaffungen präsentieren: Iskander-Raketen, Kampfpanzer des Typs T-80 und T-90 sowie Suchoi Su-34- und Su-35-Jagdbomber. Auch mehrere Fregatten mit Kalibr-Raketen aus dem Syrienkrieg sind beteiligt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2018)

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