Russland: Rebellen in Idlib bereiten fingierten Chemiewaffenangriff der Armee vor

Fernsehteams aus Ländern des Nahen Ostens sowie des regionalen Ablegers eines US-Nachrichtensenders sollen einen vermeintlichen Angriff der syrischen Armee inszenieren. Das wirft Russland den Rebellen vor.

APA/AFP/MUHAMMAD HAJ KADOUR

Russland hat bewaffnete Gegner der Regierung in Damaskus beschuldigt, einen fingierten Chemiewaffenangriff der syrischen Armee in der umkämpften Provinz Idlib vorzubereiten. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag unter Berufung auf Einwohner der Provinz, Fernsehteams aus Ländern des Nahen Ostens sowie des regionalen Ablegers eines US-Nachrichtensenders seien in Jisr al-Shugur eingetroffen, etwa 40 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Idlib. Gedreht werden solle dort eine "Provokation": Ein vermeintlicher Angriff der syrischen Armee mit Chlorgas und Fassbomben auf Zivilisten.

Anschließend solle in dem manipulierten Film die syrische Zivilschutzorganisation der Weißhelme den Einwohnern helfen. Die Fernsehkanäle wollten die Aufnahmen dann weltweit über soziale Medien verbreiten. Zwei Behälter mit Chlorgas seien bereits von Cherbet al-Jaws nach Jisr al-Shugur gebracht worden, erklärte das Ministerium weiter. Demnach sollten aus Gründen der Authentizität echte Chemikalien verwendet werden, auch um bei späteren Bodenproben deren "Einsatz" nachzuweisen.

Am Samstag hatte der russische Armeesprecher Igor Konaschenkow erklärt, Vertreter der Jihadistengruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) und der Weißhelme hätten vereinbart, einen Chemiewaffenangriff zu inszenieren und ihn Damaskus in die Schuhe zu schieben. Die HTS-Allianz ist aus der Al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Al-Kaida-Netzwerks, hervorgegangen. Sie kontrolliert etwa ddrei Fünftel der im Nordwesten Syriens gelegenen Provinz Idlib.

USA, Frankreich, Großbritannien kündigen Vergeltung an

Die USA, Frankreich und Großbritannien kündigten am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung Vergeltung an, sollte bei der erwarteten syrischen Großoffensive zur Rückeroberung der Provinz Idlib mit Unterstützung Russlands und des Irans Chemiewaffen eingesetzt werden.

In Deutschland sorgt eine mögliche Beteiligung der Bundeswehr an einem solchen internationalen Militäreinsatz in Syrien für kontroverse Debatten. Während sich Politiker von Union und FDP dafür offen zeigten, kam Widerspruch von Spitzenpolitikern der SPD und der Partei Die Linke. Aus den Reihen der Grünen kamen unterschiedliche Signale.

Die Provinz Idlib ist die letzte Hochburg von überwiegend islamistischen Rebellen. Im Falle einer Offensive der syrischen Armee wird mit erbitterten Kämpfen und hunderttausenden Flüchtlingen gerechnet, die versuchen könnten, in das NATO-Land Tükei zu fliehen.

(APA/DPA)

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