UNO-Chef Guterres: USA verlieren weltweit an Einfluss

Nach Einschätzung des UNO-Generalsekretärs Antonio Guterres verringt sich die "Soft Power" der Vereinigten Staaten. Das deute auf einen gefährlichen Trend hin, weil "die meisten Probleme auf der Welt" sich nicht ohne die USA lösen ließen.

FILE PHOTO: UN Secretary-General Guterres delivers speech on disarmament and denuclearisation
FILE PHOTO: UN Secretary-General Guterres delivers speech on disarmament and denuclearisation
REUTERS

Die USA verlieren nach Einschätzung von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres derzeit Einfluss auf das Weltgeschehen. "Die 'Soft Power' der Vereinigten Staaten verringert sich im Moment", sagte Guterres dem Magazin "Atlantic" in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Das deute auf einen gefährlichen Trend hin, weil "die meisten Probleme auf der Welt" sich nicht ohne die USA lösen ließen.

"Die Vereinigten Staaten sind in einige Konflikte verschiedener Art involviert - wegen des Handels und anderen Situationen - und das bedeutet, dass die (...) Anziehungskraft der amerikanischen Gesellschaft, die noch vor wenigen Jahrzehnten ein Hauptfaktor in den internationalen Beziehungen war, heute weniger klar ist", so Guterres. In der Politikwissenschaft beschreibt die sogenannte "soft power" ("weiche Macht") den Einfluss eines Landes auf andere Staaten durch Ansehen, Werte oder kulturelle Errungenschaften. Als "hard power" gelten dagegen etwa militärische oder wirtschaftliche Druckmittel.

Welt ein Scherbenhaufen

Diese Veränderung geschehe, während die Welt selbst ein Scherbenhaufen sei, wird Guterres vom "Atlantic" zitiert. Sie bewege sich seit dem Ende des Kalten Krieges von einer amerikanisch geleiteten Ordnung zu einer Ordnung, die von zahlreichen Mächten geführt werde und noch nicht festgelegt sei. "Sowohl die Vereinigten Staaten und der Rest der Welt müssen in der Lage sein, sich an diese neue Situation anzupassen", mahnte er.

Den Namen von US-Präsident Donald Trump erwähnte Guterres nicht. Trump hat seit seinem Amtsantritt eine Reihe internationaler Abkommen aufgekündigt, darunter die Atomvereinbarung mit dem Iran und das Pariser Abkommen zum Klimaschutz, die Unterstützung für das Palästinenser-Hilfswerk UNRWA eingestellt und eine zunehmend feindliche Haltung gegenüber internationalen Institutionen an den Tag gelegt. Guterres bezeichnete den Klimawandel hingegen als "große Herausforderung unserer Zeit".

Auf die Frage, ob er einen ernsthaften Bruch zwischen den Vereinigten Staaten und der UNO, der zum Beispiel durch einen Austritt der USA aus der Staatengemeinschaft ausgelöst werden könnte, antwortete er: "Ich werde alles tun, um dies zu vermeiden."

(APA)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      UNO-Chef Guterres: USA verlieren weltweit an Einfluss

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.