"Strategie der Zerstörung": Trump hält an Kavanaugh fest

Die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford ist sich "zu 100 Prozent sicher, dass sie von Brett Kavanaugh auf einer Schulparty attackiert wurde. Der Jurist bestreitet die Vorwürfe unter Tränen - und bekommt Rückendeckung vom US-Präsidenten.

Proteste gegen Brett Kavanaugh
Proteste gegen Brett Kavanaugh
Proteste gegen Brett Kavanaugh – APA/AFP/JOSE LUIS MAGANA

US-Präsident Donald Trump hat den Auftritt des Spitzenjuristen Brett Kavanaugh vor dem US-Senat gelobt und sich klar hinter seinen Richterkandidaten gestellt, der mit schweren Missbrauchsvorwürfen konfrontiert ist. "Richter Kavanaugh hat Amerika genau gezeigt, warum ich ihn nominiert habe", schrieb Trump in der Nacht auf Freitag auf Twitter. Die Nachricht erfolgte wenige Minuten, nachdem die Anhörung vor dem US-Senat zu den Anschuldigungen gegen Kavanaugh endete. "Seine Aussage war stark, ehrlich und fesselnd", so Trump. Die Strategie der Demokraten, die Ernennung des Richters für den Supreme Court zu verhindern, sei schändlich, beklagte der Präsident. Der Senat müsse nun über die Personalie abstimmen, verlangte Trump in seinem Tweet.

Die oppositionellen Demokraten haben große Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, dessen Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte im obersten US-Gericht auf viele Jahre den Konservativen ein Übergewicht geben. Die Richter dort werden auf Lebenszeit ernannt.

Ford: "Ich habe versucht, um Hilfe zu schreien"

Die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford wirft Kavanaugh vor, er habe vor 36 Jahren am Rande einer Schülerparty versucht, sie zu vergewaltigen. Kavanaugh und Ford sagten am Donnerstag in einer fast neunstündigen Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats zur Sache aus - in getrennten Befragungen. Ford bekräftigte dort ihre Anschuldigungen und setzte Kavanaugh damit unter Druck: Sie betonte, sie sei zu "100 Prozent" sicher, dass es Kavanaugh gewesen sei, der sie damals attackiert habe.

Den Tränen nahe und mit zitternder Stimme sagte sie in der live im TV übertragenen Anhörung: "Brett hat mich gepackt und versucht, meine Kleider herunterzureißen. Es war nicht leicht für ihn, weil er betrunken war und ich einen einteiligen Badeanzug unter meiner Kleidung trug. Ich habe gedacht, dass er mich vergewaltigen will. Ich habe versucht, um Hilfe zu schreien." Kavanaugh habe ihr den Mund zugehalten, sagte Blasey Ford. "Das hat mir am meisten Angst gemacht. Es war schwer für mich, Luft zu holen. Ich habe gedacht, dass Brett mich versehentlich töten könnte." Sie leide bis heute an Angstzuständen und Klaustrophobie. Am besten in Erinnerung geblieben sei ihr das schallende Gelächter von Kavanaugh und dessen Freund.

Sie habe sich zu der Aussage entschlossen, weil sie es für ihre staatsbürgerliche Pflicht halte, sagte die Psychologieprofessorin an der Universität von Palo Alto in Kalifornien.

Kavanaughunter Tränen: "Das ist ein Zirkus"

Kavanaugh wehrte sich indes in einem aufgebrachten Auftritt gegen die Vorwürfe. Er sei unschuldig, betonte er: "Ich habe niemals jemanden sexuell angegriffen." Mehrmals brach er in Tränen aus. Innerhalb von zehn Tagen seien seine Familie und sein Ruf wegen der Vorwürfe "vollständig und dauerhaft" zerstört worden, sagte er und warf den oppositionellen Demokraten vor, eine "kalkulierte und orchestrierte" politische Kampagne gegen ihn zu fahren, um seine Ernennung zu verhindern. "Das ist ein Zirkus", sagte er. "Die Konsequenzen werden sich weit über meine Nominierung hinaus hinziehen."

Auch Trump griff in seiner Twitter-Botschaft die Demokraten scharf an und warf ihnen eine "Strategie der Zerstörung" vor. Sie hätten versucht, die Nominierung seines Wunschkandidaten zu "verzögern" und zu "behindern".

In den vergangenen Tagen hatten noch zwei weitere Frauen den Richter sexueller Übergriffe beschuldigt. Kavanaugh war im Juli von US-Präsident Donald Trump für das Oberste Gericht ernannt worden. Damit er den lebenslangen Posten antreten kann, muss der Senat zustimmen.

Der Justizausschuss entscheidet voraussichtlich am Freitag, ob über eine Ernennung Kavanaughs im gesamten Senat abgestimmt wird. Das Votum soll laut einem Senatsmitarbeiter am Samstag stattfinden. Die Demokraten forderten Trump dagegen auf, die Nominierung zurückzuziehen oder eine Untersuchung der Vorwürfe durch den FBI einzuleiten.

(APA/dpa/AFP/Reuters/Red.)

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