Bosnien warnt EU vor "Eskalation des Migrationsproblems" im Frühling

Sicherheitsminister Mektić deutet einen neuen Ansturm auf Europa an. Mindestens 70.000 Menschen warteten in Griechenland auf den Losmarsch, mehrere Tausend momentan allein in Bosnien-Herzegowina.

Braut sich am Balkan wieder etwas zusammen? Bild von der slowenisch-steirischen Grenze bei Spielfeld, 2015
Braut sich am Balkan wieder etwas zusammen? Bild von der slowenisch-steirischen Grenze bei Spielfeld, 2015
Braut sich am Balkan wieder etwas zusammen? Bild von der slowenisch-steirischen Grenze bei Spielfeld, 2015 – APA/ERWIN SCHERIAU

Die bosnische Regierung erwartet einen massiven Anstieg der Zahl von Flüchtlingen, die das Land auf dem Weg in die EU durchqueren. Mit Einsetzen des Frühlings werde es eine "Eskalation des Migrationsproblems" geben, sagte Sicherheitsminister Dragan Mektić in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die Zahl der illegal Eingereisten sei zwar im Jänner und Februar auf insgesamt 2300 zurückgegangen, sagte Mektić. Mit Ende des Winters werde die Zahl aber kräftig steigen. Und das betreffe "nicht nur Bosnien, sondern die gesamte Route".

Mektić warf der EU vor, das Problem zu ignorieren. Sein Land sei mit der Lage überfordert. "Das ist nicht allein Bosniens Problem", mahnte der Minister, ein bosnischer Serbe.

"EU lässt illegale Migration weiter zu"

Im vergangenen Jahr hätten rund 22.000 Migranten aus Nahost, Nordafrika und Asien Bosnien auf dem Weg in die EU passiert, sagte er. Momentan bereiteten sich in Griechenland bereits 70.000 Menschen darauf vor. Diese Zahlen habe er von "offiziellen Institutionen, darunter auch europäischen", sagte Mektić.

"Wir wollen Teil einer europäischen Lösung sein, aber die EU kann sich nicht auf eine Lösung einigen", kritisierte der Minister. "Es wird einfach zugelassen, dass diese illegale Migration weitergeht."

Bosniens Sicherheitsminister Dragan Mektić
Bosniens Sicherheitsminister Dragan Mektić
Bosniens Sicherheitsminister Dragan Mektić – N1

Bosnien-Herzegowina ist nicht Mitglied der EU, teilt aber eine lange Grenze mit dem EU-Land Kroatien. Die meisten der Migranten wollen von dort nach Westeuropa. Im vergangenen Jahr stellte die EU Bosnien rund neun Millionen Euro für die Unterbringung von Migrationswilligen zur Verfügung. In acht Zentren sind nach Angaben des Ministers derzeit rund 3500 Migranten untergebracht.

Während des großen Ansturms auf Europa 2015 und 2016 lag Bosnien noch abseits der Balkanroute, über die viele von Süden über Serbien, Kroatien und Slowenien - sowie anfangs Ungarn - nach Österreich, Deutschland und in andere EU-Länder wanderten. Seit 2018 registrierte die Regierung in Sarajevo aber wieder verstärkten Migrationstransit.

Grenze zu Serbien geschlossen

Das bosnische Sicherheitsministerium hatte am Donnerstag die komplette Schließung der 600 Kilometer langen Grenze zu Serbien und Montenegro angekündigt. Die Regierung erwäge zudem, ein Angebot Ungarns zur Entsendung von Polizisten für den bosnischen Grenzschutz anzunehmen, sagte Mektić.

(AFP)

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