Ein Toter und 130 Verletzte bei Protesten in Jordanien

Gegner und Anhänger der jordanischen Regierung liefern sich auch am Freitag in der Hauptstadt Amman Zusammenstöße.

JORDAN PRO-KING DEMO
JORDAN PRO-KING DEMO
(c) EPA (Zahran Zahran)

Bei neuen schweren Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern der jordanischen Regierung sind am Freitag nach Angaben von Ärzten in der Hauptstadt Amman ein Mensch getötet und mehr als 130 weitere Menschen verletzt worden. Polizisten trieben die Demonstranten mit Wasserwerfern auseinander.

Eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass mehr als 200 Angreifer zuvor mit großen Steinen Jugendlichen beworfen hatten, die auf einem Platz campierten und politische Reformen forderten. Bei dem Toten handelte es sich nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern um einen 55-jährigen Demonstranten. Die genaue Todesursache wurde nicht mitgeteilt.

Mehrere Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden, andere wurden auf dem Platz versorgt. Unter den Verletzten waren auch ein Fotograf sowie Polizisten. "Mit unserer Seele und unserem Blut opfern wir uns für dich Abu Hussein", riefen die Regierungsanhänger mit Blick auf den jordanischen König Abdallah. "Wir sind keine Oppositionellen, wir sind Bürger", riefen dagegen die Jugendlichen und erklärten, der König sei für friedlichen Widerstand.

Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor und nahm mehrere von ihnen fest. Bereits in der Nacht zum Freitag hatten Regierungsanhänger die Jugendlichen auf dem Platz mit Steinen angegriffen und etwa 30 von ihnen verletzt. Der erneute Angriff war jedoch deutlich brutaler, wie eine AFP-Journalistin berichtete.

Mit der Platz-Besetzung wollten die Regierungsgegner Druck wollten sie den Rücktritt von Ministerpräsident Maruf Bakhit erzwingen - ähnlich wie die ägyptische Jugendbewegung auf dem Tahrir-Platz in Kairo, die im Februar den Sturz von Präsident Hosni Mubarak bewirkt hatte.

Die jungen Leute gehörten keiner Partei oder politischen Gruppierung an. Sie hatten sich über Internet-Plattformen wie Facebook organisiert, um Neuwahlen unter demokratischen Bedingungen zu verlangen. König Abdullah II. hatte den altgedienten Politiker Bakhit am 1. Februar eingesetzt und mit der Ausarbeitung von Reformen beauftragt. Über diese wurde aber bisher wenig bekannt.

Verschiedene Gruppen demonstrieren seit drei Monaten in Jordanien für politische Reformen und gegen die Korruption. Einen kompletten Machtwechsel forderten die islamische Opposition sowie linke und nationalistische Bewegungen bisher aber nicht.

(APA)

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