"Abtreibung ist Mord": Erdogan will Gesetz verschärfen

Der türkische Ministerpräsident will eine Abtreibung nach der vierten Schwangerschaftswoche verbieten. Nach Vergewaltigungen müsse das Kind ausgetragen werden. Tausende Frauen protestieren gegen das Vorhaben.

Abtreibung Mord Erdogan will
Abtreibung Mord Erdogan will
Symbolbild – (c) REUTERS (� Umit Bektas / Reuters)

Tausende Frauen zog es am Sonntag auf die Straßen Istanbuls. Der Grund: Die türkische Regierung will das als liberal geltende Abtreibungsrecht verschärfen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan betonte sogar, dass durch Schwangerschaftsabbrüche „in unserem Land täglich Morde stattfinden". Sein Gesundheitsminister Recep Akdag arbeite daher an einem Gesetzesentwurf, wonach eine Abtreibung nach der vierten Schwangerschaftswoche verboten ist. Auch werde sie nur noch in medizinischen Notfällen zugelassen. Seit 1983 ist in der Türkei ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zehnten Woche erlaubt.

Den Frauen geht dieser Schritt zu weit: „Mein Bauch, meine Entscheidung" richteten sie der Regierung aus. An Erdogan gewandt ertönten Slogans wie: „Bist du der Hüter meiner Vagina?" Auch in Ankara wurde demonstriert. Zahlreichen Frauen wurden von der Polizei in Handschellen abgeführt, wie „Spiegel Online" berichtete. Den Demonstrantinnen schlossen sich am Sonntagabend auch die Ärztekammer und der Gynäkologenverband an. Mehr als 70.000 Frauen würden jährlich in jenen Ländern sterben, in denen Abtreibungen verboten sind. Sie würden Opfer von „Kurpfuschern", hieß es in dem Bericht.

Keine Abtreibung nach Vergewaltigungen

Gesundheitsminister Akdag betonte, dass das neue Gesetz natürlich auch Ausnahmen berücksichtigen würde. Allerdings nur, wenn das Leben der Mutter gefährdet sei. Eine Schwangerschaft aufgrund einer Vergewaltigung sei dagegen kein Grund für eine Abtreibung. „Wenn die Mutter das Kind nicht will, kann sich der Staat darum kümmern", erklärte er. Erdogan entgegnete: Abtreibungen würden das Bevölkerungswachstum schmälern und so dem Land schaden.

Als Reaktion darauf verfassten mehrere Frauenverbände einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten. Darin forderten sie ihn auf, den Körper der Frauen nicht für die Politik zu benutzen. Vielmehr sollte in Schulen verstärkt über Verhütung informiert und mehr in die Bildung von Mädchen investiert werden. „Was tun Sie eigentlich dagegen, dass jeden Tag in der Türkei mindestens eine Frau von ihrem Mann oder einem anderen Verwandten ermordet wird?", hieß es in dem Protestschreiben.

Angesichts dieser massiven Proteste ruderte Akdag am Montag zurück: „Noch steht nicht genau fest, was in dem neuen Gesetz stehen wird."

(Red.)

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