Kommentar

Warum Deutschland bei Glyphosat umfiel

Die verlängerte Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters hat auch wirtschaftliche Hintergründe. Sie ist dennoch falsch und wird sich langfristig rächen.

Werksgel�nde der Bayer AG Leverkusen K�ln 08 05 2017 Foto xC xHardtx xFuturexImage
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Werksgel�nde der Bayer AG Leverkusen K�ln 08 05 2017 Foto xC xHardtx xFuturexImage
Werkgelände der Bayer AG in Leverkusen – (c) imago/Future Image (Christoph Hardt)

Und jetzt? Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat darf nach einer Entscheidung aller EU-Mitgliedstaaten weitere fünf Jahre am Markt bleiben. Schon ist klar, dass dieses Mittel nicht nur die Artenvielfalt weiter reduzieren, sondern auch die politische Debatte vergiften wird. In Deutschland sorgt die Entscheidung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, der Verlängerung doch zuzustimmen, bereits für Kontroversen. Der Umfaller des CSU-Ministers, der eigentlich eine Enthaltung unterstützten hätte müssen, dürfte die anstehenden Regierungsverhandlungen mit der SPD schwer belasten. Die Sozialdemokraten hatten sich für ein Aus für Glyphosat stark gemacht.

Deutschland dürfte allerdings nicht zufällig den Ausschlag gegeben haben. Wer keinen Zusammenhang zwischen der Entscheidung für Glyphosat und der geplanten Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch Bayer erkennt, muss verwirrt sein. Monsantos Verkaufsschlager ist nämlich Roundup, das bekannteste Unkrautvernichtungsmittel mit Glyphosat. Es dürfte bald einer der attraktivesten Produkte für den in Deutschland beheimateten Bayer–Konzern sein.

Sofortiges Aus keine Lösung

Ein sofortiges Aus für Glyphosat wäre allerdings auch nicht die beste Lösung gewesen. Denn viele Agrarbetriebe benötigen Übergangsfristen, um Alternativen zu entwickeln. Diese sind einstweilen weniger attraktiv und teilweise sogar schädlicher als Glyphosat. Den besten Weg hat das Europaparlament vorgegeben. Es hat sich mit einem schrittweisen Verbot für das möglicherweise auch krebsfördernde Mittel ausgesprochen. Doch die Regierungen sind diesem durchaus vernünftigen Kompromiss nicht gefolgt.

Nun bleibt alles beim Alten: Es gibt eine Verlängerung, die wieder verlängert werden kann. Und es gibt keine Motivation für die Landwirte umzudenken, der aufwendigeren mechanischen Bearbeitung der Böden wieder den Vorzug zu geben. Es gibt keine Motivation, den natürliche Kreislauf von Nützlingen und Schädlingen wieder herzustellen, der durch ein Übermaß an Chemieeinsatz schwer beeinträchtigt wurde. Es gibt letztlich keine Motivation, von agrarischen Radikalmethoden Abschied zu nehmen, Anreize für eine umwelt- und konsumentenfreundliche Lebens- und Futtermittelherstellung zu schaffen. Glyphosat bleibt und alles andere auch.

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