Britischer Postzug-Räuber Ronnie Biggs gestorben

Der legendäre britische Postzug-Räuber ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Biggs erbeutete mit einer 15-köpfigen Bande 1963 rund 2,6 Millionen Pfund.

Biggs im Jahr 1994 mit einem Fahndungsplakat.
Biggs im Jahr 1994 mit einem Fahndungsplakat.
Biggs im Jahr 1994 mit einem Fahndungsplakat. – (c) EPA

Der legendäre britische Posträuber Ronnie Biggs ist am Mittwoch im Alter von 84 Jahren gestorben. Das meldeten sowohl der Sender Sky News als auch die Nachrichtenagentur Press Association unter Berufung auf anonyme Informanten. Biggs zählte zu einer 15-köpfigen Bande, die 1963 einen Postzug von Glasgow nach London ausgeraubt und dabei 2,6 Millionen Pfund erbeutet hatte.

Legendärer Coup

1963 überfiel Biggs zusammen mit 14 Komplizen den königlichen Postzug von Glasgow nach London. Die Bande zog dem Schaffner eine Eisenstange über den Kopf und entkam mit einer Beute von 2,6 Millionen Pfund - nach heutigen Maßstäben wären das umgerechnet 47 Millionen Euro. Die Räuber wurden schnell gefasst und wanderten ins Gefängnis. Biggs bekam eine Haftstrafe von 30 Jahren.

Flucht aus dem Gefängnis

Die Wände des Gefängnisses in London-Wandsworth konnten ihn jedoch nicht lange halten. Biggs gelang es nach 15 Monaten, sich buchstäblich abzuseilen. Mit einer selbst gemachten Strickleiter floh er aus dem Gefängnis, sprang in einen Lastwagen und setzte zu einer Flucht über die Kontinente an, durch die er über die Jahrzehnte Kultstatus erreichen sollte. Aus Biggs wurde der meistgesuchte Räuber des Königreichs.

Nicht nur ließ er sich sein Gesicht umoperieren. Auch entwischte er seinen Verfolgern immer wieder in letzter Sekunde. 1974 in Rio war es fast soweit, dass ihn die britische Polizei festnehmen konnte. Doch Biggs hatte eine Brasilianerin geschwängert - und durfte als künftiger Vater nicht ausgeliefert werden. Doch wirklich genießen konnte Biggs seine Freiheit nicht. "Selbst in Brasilien war ich Gefangener meines eigenen Tuns", sagte er einmal.

Letzter Wunsch: Im Pub ein Pint trinken

Letztendlich gab sich Biggs freiwillig geschlagen: Als schwer kranker Mann kehrte er 2001 in seine Heimat zurück. "Mein letzter Wunsch ist es, in einen englischen Pub zu gehen und ein Pint Bitter zu trinken", erklärte er. Doch daraus wurde nichts. Als er britischen Boden betrat, wanderte er sofort ins Gefängnis.

In seinen letzten Lebensjahren litt er nicht nur unter den Folgen mehrerer Schlaganfälle, sondern auch an Hautkrebs. "Ich bin ein alter Mann, und ich frage mich, ob ich wirklich dieses Ausmaß an Strafe verdient habe", sagte er. "Ich will nur die Freiheit, um im Kreis meiner Familie und nicht im Gefängnis zu sterben." Sein Sohn Michael setzt sich unermüdlich für die Freilassung ein. Sein Vater sei ein Todkranker und keine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Mit 80 Jahren begnadigt

Doch Justizminister Jack Straw zeigte keine Gnade mit dem greisen Gauner. Er verwehrte ihm zunächst die vorzeitige Entlassung, weil Biggs keine Reue für seine Tat gezeigt hatte. "Ich finde die Idee gut, dass ich daran beteiligt war", hatte er einmal gesagt, "es hat mir einen kleinen Platz in der Geschichte gegeben." 2009 wurde er wegen seines sich dramatisch verschlechternden Gesundheitszustandes begnadigt.

 

(APA/AFP/dpa)

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