Niederlande: „Unsere Drogenpolitik ist ein Chaos“

Vernichtendes Urteil in Studie über liberalen Umgang mit Drogen im Land der Tulpen.

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(c) Reuters (Fredy Amariles)

DEN HAAg.„Die Behörden haben der Coffeeshop-Politik in den letzten 15 Jahren gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Der Staat war der Dumme für die Drogenmafia.“ – Dieses vernichtende Urteil fällt Wim van Donk und die vom ihm geleitete Untersuchungskommission in ihrem Abschlussbericht über die Drogenpolitik im Land der Tulpen.

Der Bericht zerzaust die liberale Drogenpolitik, die es möglich macht, dass in Holland seit Jahrzehnten in „Coffeeshops“ Zutaten für Joints verkauft werden dürfen. Das Gramm Marihuana ist vielfach ab acht Euro zu haben. Höchstabgabemenge: fünf Gramm an Käufer über 18 Jahre.

„Die Auswüchse unserer Drogenpolitik tasten die Integrität unseres Rechtsstaats an“, meint van Donk weiter. Doch es gehe auch um die „Gesundheit und die Zukunft unserer Kinder“.

 

Verkauf nur an Einheimische?

Da man nicht einfach alle Coffeeshops schließen könne, solle man versuchen, deren Handel noch stärker zu kontrollieren. Coffeeshops sollen „Stoff“ nur noch an Einheimische verkaufen, die erlaubten Verkaufsmengen sollten reduziert werden.

Das könne man etwa über Identitätskontrollen regeln oder dadurch, dass man in Coffeeshops nur noch mit niederländischen EC-Karten einkaufen könnte. Das sei auch eine Methode, um dem Drogentourismus etwa aus Belgien und Deutschland einen Riegel vorzuschieben: Denn mit einer deutschen oder belgischen EC-Karte kann man in Holland nicht bezahlen.

 

Staatliche Hanfplantagen

Die zweitgrößte Regierungspartei, die Arbeitspartei, hat indes eigene Ideen: Funktionäre plädieren dafür, staatliche Hanfplantagen anzulegen, die Coffeeshops exklusiv beliefern. Dadurch könne der Staat die Verbreitung kontrollieren. Denn es gebe halt nun einmal eine Nachfrage nach Cannabis in der Welt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2009)

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